„Gentechnik kontaminiert das Saatgut der Zukunft“

Der Kampf um das Saatgut der Zukunft. Gentechnik-Gegner wollen ihre natürlichen Nahrungsmittel geschützt wissen Foto: wikimedia commons/Jean-Marc Desfilhes

Gentechnisch veränderter Mais, Reis und Raps ziehen um den Globus und nisten sich im Lebensraum ihrer natürlichen Artgenossen ein. Nicht selten finden sich bereits in wild wachsenden Populationen die künstlichen DNA-Konstrukte der Labor-Pflanzen. Eine globale Übersicht zeigt nun erstmals, in welchen Ländern sich Gentechnik-Pflanzen unkontrolliert ausbreiten.

 

Das Institut für unabhängige Folgenschätzung in der Biotechnologie Testbiotech veröffentlichte jetzt einen Atlas der unkontrollierten Ausbreitung gentechnisch veränderter Pflanzen wie Mais, Reis, Baumwolle, Raps, Straußgras und Pappeln. Anlass der Veröffentlichung ist eine Konferenz über die Koexistenz mit gentechnisch veränderten Pflanzen GMCC. Gesponsert wird die Veranstaltung in Portugal unter anderen von den zwei weltweit größten Saatgut-Herstellern Monsanto und DuPont. EU-Gesundheitskommissar Tonio Borg ist mit von der Partie.

 

„EU-Kommissar Tonio Borg, der sich gegenwärtig für die Neuzulassung gentechnisch veränderter Pflanzen in der EU einsetzt, sollte sich die globalen Auswirkungen dieser Technologie bewusst machen“, sagt Christoph Then von Testbiotech. „Wir brauchen klare Bestimmungen, nach denen die Freisetzung gentechnisch veränderten Organismen verboten ist, wenn sie nicht mehr aus der Umwelt zurückgeholt werden können.“

 

Zwar schaut es diesbezüglich in der Europäischen Union besser aus als in den USA. In der EU muss die Industrie Unterlagen über neu eingeführte Pflanzen vorlegen. Unabhängige Institute können so nochmals eigene Risikountersuchungen durchführen. Fällt nun diese Offenlegung durch das diskutierte Freihandelsabkommen zwischen den USA und der EU weg, wissen unabhängige Wissenschaftler nicht mehr, was sie untersuchen müssten, erklärt Christoph Then von Testbiotech.

 

Ihr aktueller Bericht, der mithilfe der Gregor Louisoder Umweltstiftung aus München realisiert wurde, verdeutlicht: Bislang kann die Wissenschaft nicht verlässlich vorhersagen, wie sich Gen-Pflanzen auf die biologische Vielfalt auswirken. Die Kontamination der Biodiversität durch gentechnisch veränderte Pflanzen stellt also für kommende Generationen ein Problem dar.

 

 

Auch Bienen leiden unter den Labor-Pflanzen Foto: wikimedia commons/OliBac

„Koexistenz zwischen gentechnisch veränderten Pflanzen und der biologischen Vielfalt ist nicht möglich, wenn sich Transgene unkontrolliert in wilden Populationen ausbreiten können. Die Gentechnikindustrie kontaminiert die Biodiversität und das Saatgut der Zukunft – wer wird sie dafür verantwortlich machen?“, fragt auch Margarida Silva von der Plattform für gentechnikfreie Landwirtschaft in Portugal.

 

Großkonzerne stehlen sich gerne aus der Verantwortung, wenn es um industriell verursachte Umweltschäden geht und weltweit fehlen entsprechende Regelungen.

In Europa gilt zwar das sogenannte Vorsorgeprinzip, aber auch dieses weist erhebliche Lücken auf.

Christoph Then fordert eine konsequentere Anwendung: „Wenn gentechnisch veränderte Pflanzen außer Kontrolle geraten und sich sogar in Populationen von wildwachsenden Arten ausbreiten, kann man diese nicht mehr aus der Umwelt entfernen, auch wenn sich neue Risiken und Gefahren zeigen. Deswegen müssen derartige Freisetzungen aus Vorsorgegründen grundsätzlich verboten werden – in der EU ebenso wie in anderen Regionen der Welt.“

 

Die Industrie führt derzeit in Brüssel einen erbitterten Lobbykampf, um das Vorsorgeprinzip komplett auszuhebeln. Testbiotech hält mit einem jüngst veröffentlichten Rechtsgutachten dagegen: Es bestünden weiterhin eine Vielzahl von Unsicherheiten bei der Risikobewertung gentechnisch veränderter Organismen. So können keine verlässlichen Angaben über deren langfristige Auswirkungen auf die Umwelt gemacht werden. Die erheblichen Lücken in der EU-Gesetzgebung zur Agro-Gentechnik müssten rasch geschlossen werden.

 

CFE

 

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