Grube Messel: Weltweit größte Pflanzenvielfalt

Foto: Senckenberg Institut

Über 60 völlig neue Pflanzentypen entdeckt: Paläobotaniker des Frankfurter Senckenberg Forschungsinstituts uns des Hessischen Landesmuseums in Darmstadt beschreiben mit einem internationalen Kollegenteam 140 bislang unbekannte Pflanzen, die sie als Versteinerungen in der weltberühmten Grube Messel bei Darmstadt fanden. Das belegt, „dass Messel weltweit eine der artenreichsten Floren im Paläogen – der Zeitspanne von etwa 65 bis 23 Millionen Jahren vor heute – hatte“.

Bekannt ist die Fundstelle vor allem für die Funde des Urpferdchens, des Halbaffen Ida und eines Prachtkäfers. Jetzt werteten die hessischen Experten neuste Funde aus Messel zusammen mit Kollegen der Universität London und des Florida Museum of Natural History aus und beschreiben sie in einer 250seitigen Monographie.

Die Blätter, Blüten und Pollen stammen von Ausgrabungen aus den zurückliegenden Jahrzehnten. Volker Wilde, Sektionsleiter der Paläobotanik am Senckenberg Forschungsinstitut in Frankfurt: „Wir haben sehr viele Überreste von Blütenpflanzen und einige Nadelhölzer gefunden.“

„Zehn der jetzt beschriebenen Familien von Blütenpflanzen waren bisher in Messel nicht bekannt, drei Gattungen wurden sogar das erste Mal für das Paläogen beschrieben“, vermelden die Wissenschaftler als Ergebnis ihrer Arbeit. Die Monographie zeige, „dass Messel weltweit eine der reichhaltigsten Pflanzenfundstellen dieser Zeit darstellt.“ Beeindruckt habe die Wissenschaftler, sagt Wilde, aber nicht nur die große Anzahl unterschiedlicher Pflanzenfamilien. Es war auch die Vielfalt der Verbreitungsstrategien, die die Pflanzen bereits damals entwickelt hatten. „Einige bildeten Flügel an ihren Samen aus und vertrauten auf den Wind, andere setzten auf die Verbreitung durch Tiere und weitere entwickelten mit Hochdruck explodierende Kapseln, die ihre Samen im weiten Umkreis verstreuten“, erklärt der Wissenschaftler.

 

Cover: Senkenberg Institut

Aus dem Wissen um die Flora können die Spezialisten nun auch Rückschlüsse auf die Nahrung der Tiere vor 47 Millionen Jahren ziehen. Die Pflanzenwelt eignet sich zudem hervorragend für die Rekonstruktion von Klima- und Umweltbedingungen. Durch die Auswertung von inzwischen etwa 30.000 Pflanzenresten schließen die Wissenschaftler auf ein tropisch-warmes Klima mit leichten saisonalen Schwankungen. Die Arbeit der Paläobotaniker bestätigt damit die vorherigen Studien zum Paläoklima zur Zeit des Messel-Sees. „Wir gehen davon aus, dass der Messel-See von einem mehr oder weniger tropischen Regenwald mit verschiedenen Stockwerken umgeben war, ähnlich wie in Gebieten mit einem vergleichbaren Klima zur heutigen Zeit“, sagt Volker Wilde. Auch einen hohen Anteil an Lianen und einige Sumpfpflanzen konnten die Forscher ermitteln und beschreiben damit „eine echte Dschungelatmosphäre und das fast vor unserer Haustür.“

 

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