
Auch am Südpol hinterlässt die Menschheit ihre Spuren: Die Antarktis ist längst nicht so einsam und unbelebt, wie viele glauben möchten.
Dass auch vergleichsweise wenige Menschen viel anrichten können, wird besonders auf der Fildes-Halbinsel, einem der größten weitgehend eisfreien Gebiete der Polarregion, deutlich. Mit seiner relativ hohen Biodiversität zieht es Besucher aus aller Welt an- und muss sich mit deren Interessenskonflikten herumschlagen. Hier prallen Logistik, Forschung und Tourismus aufeinander; mit sechs Forschungsstationen und einer Flugzeuglandebahn ist das Gebiet Dreh- und Angelpunkt der internationalen Antarktisforschung.
Mit unübersehbaren Folgen für das empfindliche Ökosystem. Forscher der Friedrich-Schiller-Universität Jena berichten von Fahrzeugreifen und -ketten, die die spärliche Vegetation der Region durchfurchen und noch jahrzehntelang sichtbar sind, von im Freien vor sich hin rottenden, zum Teil giftigen Abfällen und ölverseuchten Küsten und Stränden. „Hinzu kommen vom Menschen eingeschleppte Pflanzen, die den einheimischen Bestand bedrohen“, erläutert Christina Braun von der Universität Jena. Auch die weitere Einführung von Insekten und anderen Tieren ist alles andere als erwünscht.
„Wenn nicht bald gegengesteuert wird, wird das Gebiet künftig noch mehr leiden“, befürchtet Dr. Hans-Ulrich Peter, der die im Auftrag des Umweltbundesamtes durchgeführte Studie federführend verfasste. Um weiteren bösen Überraschungen für einheimische Robben, Pinguine, Pflanzen und letztlich auch den Menschen vorzubeugen, fordern die Autoren des Berichtes eine Ausweisung der Fildes-Halbinsel als „besonderes antarktisches Verwaltungsgebiet“ (Antarctic Specially Managed Area, ASMA). Dies wäre mit der Festlegung rechtlich verbindlicher Umweltstandards verknüpft und ist aus Sicht der Wissenschaftler die einzige Chance, die Interessen von Mensch und der Natur unter einen Hut zu bringen.
Man darf auf die weitere Entwicklung gespannt sein: „Bislang sind sich die Antarktis-Vertragsstaaten nicht einig geworden“, bedauert Peter. NISO
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