Klimaschutz im Wald: Potenzial ungenutzt

Foto: Pixabay CC/PublicDomain/ekamelev

Wälder in Deutschland können maßgeblich zum Klimaschutz beitragen. Wir müssen sie dafür aber stärker schützen. Zu diesem Ergebnis kommt jetzt eine neue Studie des Freiburger Öko-Instituts im Auftrag von Greenpeace.

In der weltweiten Krise des Klimawandels sind Wälder unverzichtbar für den Klimaschutz. Sie stabilisieren das Weltklima, speichern schädliches Kohlendioxid und setzen dabei Sauerstoff frei.

Die Wissenschaftler berechneten daher in ihrer Studie: Bis zu 48 Millionen Tonnen Kohlendioxid (CO2) könnten die Wälder in Deutschland pro Jahr bei einer ökologischeren Bewirtschaftung binden.

Das sei, betonen sie in einer Pressemeldung, in etwa die Hälfte des jährlichen CO2-Ausstoßes von Personenautos in Deutschland.

 

Ökologische Bewirtschaftung schützt Wald und Klima am besten

 

Grafik: Öko Institut

Fazit der Wissenschaftler: Bleibt im Wald alles wie es heute ist, würde der Forst gegenüber der vorgeschlagenen ökologischeren Bewirtschaftung etwa zwei Drittel weniger klimaschädliches CO2 binden.

Das zeigen Computersimulationen der Freiburger Forst-Experten. Bei einer intensiverer Bewirtschaftung als heute würde der Wald seine Klimaschutzfunktion sogar zeitweilig verlieren.

„Deutschland ignoriert das beträchtliche Potential seiner Wälder für den Klimaschutz“, sagt daher Greenpeace-Waldexpertin Sandra Hieke: „Im Entwurf des neuen Koalitionsvertrages beabsichtigen CDU/CSU und SPD zudem, noch mehr Holz einschlagen zu lassen. Nicht nur in der Verkehrs- und Energiepolitik, auch in der Forstpolitik nimmt die Bundesregierung ihre Klimaziele nicht ernst."

 

Industrieforste würden wieder zu lebendigen Laubwäldern

 

Die Studie untersucht die Auswirkung dreier Szenarien zur Waldbewirtschaftung auf den Schutz von Klima und Natur. Im ambitionierten Szenario „Waldvision“ können sich mehr Industrieforste bis Anfang des nächsten Jahrhunderts zu naturnahen Laubmischwäldern entwickeln. Diese sind in der Regel widerstandsfähiger gegenüber Stürmen und bieten mehr Lebensraum für Tiere und Erholungsraum für Menschen. Bei diesem Szenario bindet der Wald pro Jahr im Schnitt 48 Millionen Tonnen CO2.

 

Grafik: Öko-Institut

Dagegen schreibt ein zweites Szenario die aktuelle Bewirtschaftung fort: In diesem Modell bindet der Wald im Schnitt nur 17,2 Millionen Tonnen CO2.

Das dritte Szenario analysiert die von der Holzindustrie geforderte intensive Bewirtschaftung. Bei ihr ergibt sich lediglich eine CO2-Minderung um 1,4 Millionen Tonnen pro Jahr.

 

„Wird der Wald ökologischer und weniger intensiv bewirtschaftet, steigt sein Beitrag zum Klimaschutz, aber auch zum Naturschutz“, sagt der Experte für Waldökosysteme und Klimaschutz am Öko-Institut. Hannes Böttcher: „Wir zeigen mit der 'Waldvision' die Synergien auf: Wälder können durch eine andere Bewirtschaftung und effizientere Holznutzung zu beidem beitragen.“


red

 

 

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