
Klimawandel macht Möwen zu Kannibalen: Biologen beobachten Schreckliches an der US-Pazifikküste. Möwen mutieren zu Kannibalen, sie jagen sich gegenseitig, plündern die Nester und fressen den Nachwuchs ihrer Opfer.
Der Grund ist das wärmere Meer. Darin finden die Vögel nicht mehr genug Fische als Futter.
Jim Hayward ist Biologe und Ornithologe. Seit Jahren beobachtet der Mitarbeiter des U.S. Department of Fish and Wildlife die Möwen-Kolonien an der Küste von Washington State im Nordwesten der USA. Nach Polarbären oder Hummern, bei denen Wissenschaftler ebenfalls Kannibalismus entdeckten, scheinen jetzt die Vögel aggressiver gegen Artgenossen zu Felde zu ziehen.
Fische folgen Plankton ins tiefere Meer - Möwen ohne Jagdglück
Hayward vermutet, so berichtet jetzt Grist Magazine, dass der Grund das immer wärmere Wasser des Ozeans sei: Nährstoffreiches Plankton nämlich sinkt in der wärmer werdenden See in tiefere Gewässerzonen. Die Fische folgen diesem Nahrungsangebot, so dass die Vögel an der Oberfläche weniger Jagdglück haben – und immer hungriger bleiben. Die Folge: Sie greifen Artgenossen an, die einen Fisch erwischten, der Streit geht bis zum Äußersten. In ihrer Hugenrsnot fressen die überlebenden Möwen ihre Artgenossen auf, beobachtet Hayward.
Ozean erwärmte sich in 6 Jahrzehnten 15 Mal rascher als in 10.000 Jahren
In den vergangenen 60 Jahren, berichtet Jim Hayward, habe sich das Wasser des Ozeans 15 Mal stärker erwärmt als dies in den zurückliegenden 10.000 Jahren geschah. Darin sieht der Wissenschaftler die Ursache der Mutation. Auch Mathematikerin Shandelle Henson von der Andrews University stimmt Hayward zu, nachdem sie seine Aufzeichnungen über Klima und Umwelt ausgewertet hat. „Die Daten über kannibalische Attacken“, sagt Henson, „korrelieren eindeutig mit den Temperaturkurven.“
Sie fand auch heraus, dass die Möwen den Zeitpunkt koordinieren, an dem sie ihre Eier legen. Das macht evolutionär Sinn: Legen alle zur gleichen Zeit, gibt es viele Eier in der Kolonie. So ist die Wahrscheinlichkeit am größten, dass die eigene Brut vor räuberischen Attacken der Artgenossen verschont bleiben und der Nachwuchs eine Überlebenschance hat.“
pit
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