Konferenz zum Müll im Meer

Foto: photocase/annelilocke

Müllhalde Meer: Über 100 Millionen Tonnen Abfall verschmutzen die Ozeane der Erde. Plastikmüll bedroht viele Meeresbewohner. „Deutschland und die Europäische Kommission wollen die Abfalleinträge in die Meere bis 2020 drastisch reduzieren“, betont daher jetzt das Umweltbundesamt (UBA) mit Blick auf die Internationalen Marine-Litter-Conference in Berlin, deren Teilnehmer vom 10. bis 12. April vor allem Strategien zur Abfallvermeidung suchen.

„Bei den schätzungsweise 100 und 142 Millionen Tonnen an Abfällen handelt es sich vor allem um Verpackungsmaterialien sowie um Abfälle aus Fischerei und Schifffahrt“, erläutert das UBA die Dimension der Aufgabe. Jährlich kämen, so die UBA-Experten, bis zu 10 Millionen Tonnen hinzu: „Etwa 70 Prozent der Abfälle sinken zu Boden, der Rest wird entweder an Strände gespült, treibt an der Wasseroberfläche oder in tieferen Meeresschichten.“

 

Müll im Meer: Tödliche Nahrung für viele Tiere

 

Tiere im Meer verwechseln diese Fracht im Wasser mit Nahrung. Fatale Folge: Sie verschlucken den Müll – und verenden oft qualvoll. Die UBA-Wissenschaftler zitieren aus einer Untersuchung toter Eissturmvögel an der deutschen Nordseeküste: „95 Prozent der Vögel hatten im Durchschnitt 30 Kunststoff-Teile im Körper.“

Weiteres Problem der Vermüllung des Wassers ist die zunehmende Verbreitung von kleinsten Plastikteilchen, so genannter Mikroplastik. „Im nordwestlichen Mittelmeer“ zählen Forscher inzwischen „auf zwei Planktontierchen ein Mikroplastikteil“.

Die EU-Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie (MSRL) sieht die Überwachung von Abfällen an Stränden, im Meer und in Meereslebewesen vor. Außerdem will MSRL wirkungsvolle Maßnahmeprogramme umsetzen, um weitere Einträge von Abfall zu verhindern und diesen vorzubeugen. Die diskutieren die Teilnehmer International Conference on Prevention and Management of Marine Litter in European Seas: Wissenschaftler, Vertreter von Wirtschaft Verbänden und Politik. Die Ergebnisse der Konferenz sollen in die Regionalen Aktionspläne der europäischen Meeresregionen – Nordostatlantik, Ostsee, Mittelmeer und Schwarzes Meer – einfließen. UBA-Chef Jochen Flasbarth: „Wir wissen jetzt schon genug, um unverzüglich vorsorglich zu handeln. Wir werden auf der Konferenz eine Vielzahl guter Beispiele aus der Praxis präsentieren, die wir unmittelbar umsetzen können. Ausstehende Wissenslücken müssen selbstverständlich in engem Schulterschluss mit der Forschung geschlossen werden, dazu gibt es bereits zahlreiche nationale, europäische und internationale Forschungsprojekte; weitere werden sicherlich folgen.“

Foto: ap/Sergei Brehm

Gute Beispiele für die Lösung des Müllproblems auf See

 

Die Meeresschützer sind sich dabei einig: Gelöst werden muss das Problem sowohl see- als auch landseitig. Beispiel: das Abfallmanagement auf Schiffen und in den Häfen. „Schon heute lassen sich Abfälle an Bord technisch so aufbereiten, dass verschiedene Materialien zerkleinert und fürs Recyceln in den Häfen gesammelt werden können. Der Restmüll sowie Speisereste können an Bord effizient thermisch verwertet werden“, wissen die Umweltexperten.

Oder: Hafengebühren. Das in der Ostsee erfolgreich praktizierte „No-special-fee-system“, bei dem Hafen- automatisch auch Entsorgungsgebühren umfassen, sollte nach Auffassung des UBAauf andere Meeresregionen wie die Nordsee übertragen werden. Und: Schiffsbesatzungen müssen – etwa durch die „Fishing-for-Litter“-Initiative - für das Abfallproblem auf hoher See sensibilisiert werden.

Ansätze einer Wende zum Besseren gibt es genug…

 

 

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