
Erholung für die Ostsee:Seit über 10 Jahren hat der Salzwasser-Zustrom der Nordsee in die zentrale baltische See auf sich warten lassen. Endlich klappte die Frischluft-Kur fürs Meer. Das Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde (IOW) hat nun auf einer von fünf jährlichen Untersuchungsfahrten im Juli Hinweise auf sauerstoffreiches Salzwasser in den Tiefen südlich von Gotland gefunden.
Die Ostsee wird mit 440 Kubikkilometer (km³) Süßwasser jährlich hauptsächlich aus den in sie einmündenden Flüssen wie Weichsel und Oder gespeist. Das Salz im Wasser des Binnenmeers stammt aus dem über das Kattegat in Dänemark einströmende Nordseewasser.
Da die Ostsee an ihrem Grund ein bewegtes Relief mit mehreren Becken unterschiedlicher Tiefe aufweist, müssen ganz besondere Witterungsverhältnisse herrschen, damit das Salzwasser bis in das Zentrum des Binnenmeeres vordringen kann. Daher auch ist der Salzgehalt im Westen der Ostsee stets höher als im Osten. Zum einer solch besonderen Wetterlage soll es Anfang diesen Jahres gekommen sein. Im Februar trieben Westwinde rund 141 km³ Salzwasser und im März noch einmal etwa 203 km³ über die Darßer Schwelle. Neues Salzwasser ist für die Ostsee quasi wie eine Frischzellkur, weil es dringend benötigten Sauerstoff mitbringt.
Mit dem Salzwasser kommt der Sauerstoff in die Ostsee
Durch die Unterschiede im Salzgehalt liegt dann eine Schicht schweren salzreichen Wassers unten und salzarmen, weniger dichten Meereswassers darüber - eine typische Situation in der baltischen See. Diese Schichten mischen sich kaum. Daher führt der mikrobielle Abbau von totem, organischem Material abgestorbener Tiere und Pflanzen im Wasser, das allmählich zum Meeresboden sinkt, zu einer immer stärkeren Sauerstoffzehrung in den tieferen Wasserschichten. Ist der Sauerstoff (O2) verbraucht, kann es jedoch zur Bildung von Schwefelwasserstoff (H2S) kommen - ein untrügliches Zeichen für Sauerstoffmangel im Meerwasser.
Gelangt das Nordseewasser - wie dieses Jahr - weit in die Ostsee hinein, bringt es atmosphärischen Sauerstoff mit. Die sauerstoffreichen Nordsee-Wellen mischen das Wasser in der Ostsee neu. Es gelangt dort in die Tiefe und das faulige Gas verschwindet. Organismen können den Lebensraum zurückerobern.
Ostsee: Schwefelwasserstoff im Gotland-Becken verdrängt
Die Belüftung führte im Gotland-Becken, das im westlichen Teil immerhin eine maximale Tiefe von 459 Meter erreicht, zwar nur zu geringen Sauerstoffwerten von ungefähr 0,37 Milliliter pro Liter Meerwasser. Sie verdrängte aber den Schwefelwasserstoff bis in 240 Meter Tiefe. Wie es sich mit weiter nördlich liegenden Bereichen des Beckens verhält, müssen die Wissenschaftler des IOW erst noch untersuchen. Die Salzwasser und Sauerstoffzufuhr des Sommers 2014 aber war nötig. Seit 2003 hat es kein Salzwassereinbruch so weit in die Ostsee geschafft.LMR
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