
Die meisten der 5,3 Millionen Einwohner im Stadtstaat Singapur leben in Hochhäusern. Gelegen inmitten des Dschungels, haben die wenigsten Menschen dort eine Ahnung davon, welche Fülle an Tieren und Pflanzen sie umgibt. Ihr Leben spielt sich vor allem in Einkaufszentren, Bürotürmen und dicht befahrenen Straßen ab.
So nah und doch so fern der Natur verlieren die Menschen immer mehr den Bezug zu ihr. Um dem entgegenzuwirken fährt seit Neuestem ein Bus, umgebaut in ein kleines Naturparadies mit einheimischen Pflanzen, durch die Straßen Singapurs. Der Gedanke dahinter: Wenn die Menschen nicht raus in die Natur gehen, bringen wir die Natur zu den Menschen. Das Natur-Bus-Projekt zielt auf Schulkinder ab. Das Wissen aus der Schule reiche nicht aus, sie mit Naturthemen vertraut zu machen. „Unsere Kinder sollen sich mehr als nur Wissen aus Büchern aneignen", erklärte Sim Ann vom Erziehungsministerium. Im Natur-Bus können die Schüler 57 Pflanzen bestaunen, die dort in Beeten wachsen. Auch interaktive Bildschirme sollen helfen den mit Technik vertrauten Kindern das neue Thema näherzubringen. Die Initiatoren betonen: „Naturdefizit-Störung ist ein richtiges Problem. Wir müssen mehr Kindern erklären, was für Probleme es in der Natur gibt.“
Auch in Deutschland wenige Naturerfahrungen
Doch nicht nur in Singapur haben die Jüngsten keine Ahnung, was draußen blüht und grünt. Auch bei uns verbringen Kinder und Jugendliche nur noch wenig Zeit an der frischen Luft. Dr. Herbert Zucchi von der Hochschule Osnabrück sieht die Verstädterung als großes Problem. Kinder können heute nicht mehr so frei draußen spielen und verbringen die meiste Zeit in ihrem Zimmer vor Computer oder Playstation. Dabei sind frühe Naturerfahrungen besonders wichtig für die Entwicklung der Kinder. Draußen können sie durch Wälder streunen, Papierboote auf dem Wasser schwimmen lassen und die Samen der Pusteblumen fliegen lassen – sie sehen und lernen immer wieder Neues. So wichtig die Natur für die Kinder ist, so wichtig sind sie auch wiederum für die Natur. Denn die Kinder sind es, die die Zukunft gestalten.
Rainer Brämer, promovierter Physiker, Natursoziologe und „Wanderpapst“ ist der Nachhaltigkeitsaspekt besonders wichtig. Wenn Kinder keinen emotionalen Bezug zur Natur haben, liegt ihnen auch nichts daran diese zu schützen. Die Naturentfremdung wirkt sich also nicht nur negativ auf ihre Entwicklung aus, sondern auch auf die Natur selbst. Er spricht von einem „Mensch-Natur-Problem“ und betrachtet das System als Ganzes. Viele romantisieren die „wahre, unberührte Natur“ gerne. Diese Sichtweise entspricht aber nicht der Realität. Schließlich greift der Mensch ständig in die Natur ein. Es gilt also, Möglichkeiten und Lösungen für eine nachhaltige Gestaltung zu finden. Wenn die Allerkleinsten schon die Wunder der Natur schätzen, sollte dem nichts mehr im Wege stehen. Also raus ins Grüne und Natur entdecken!
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