Norddeutscher Nandu

Wilde Nandus Mecklenburg Vorpommern Foto: Speedhawq (CC fotocommunity)

Südamerikanischer Laufvogel heimisch in Norddeutscher Wildbahn Ursprünglich stammen Nandus aus Offenländern (Chaco, Cerrado, Pampas) Brasiliens bis hin zum Süden Argentiniens. Dort herrscht subtropisches bis gemäßigtes Klima. Hierzulande stammen die Laufvögel aus einem Freigehege westlich der Wakenitz bei Lübeck. Von dort aus erreichten die Nandus Mecklenburg-Vorpommern. Mehrfache Ausbrüche gelangen den Vögeln, weil ihre Gehege mangelhaft eingezäunt waren oder teilweise die Einzäunung fehlte. Die Arbeitsgruppe Nandumonitoring, bestehend aus Wissenschaftlern und Naturschützern unterschiedlicher Fachgebiete, geht von mehreren Ausbrüchen beginnend Ende der 1990er bis 2009 aus. Obwohl die Besitzer einige Tiere wieder einfingen, entwickelte sich dennoch eine stabile Population in Mecklenburg-Vorpommern, verursacht durch wiederholte Ausbrüche aus dem Gehege.

 

Zerzauster Vogel auf geradlinigem Acker

 

In Deutschland kennt fast jedes Kind den Nandu (Rhea americana ), wohlgemerkt keck und neugierig über den Zaun eines Zoogeheges hervorlugend. Doch mitten auf einem geradlinigen, heimischen Acker wirken ein oder mehrere Tiere dieser Art doch leicht unwirklich. Doch gerade auf den Ackerflächen und auf Grünländern Norddeutschlands finden die verwilderten Tiere, das was ihnen schmeckt.

Der Nandu ist der größte flugunfähige Vogel in Südamerika. Er misst eine Höhe von 150 bis 170 Zentimeter und wiegt rund 25 Kilogramm. Aufgrund seiner stattlichen Größe bevorzugt er die offene Landschaft und ernährt sich von frischem Grün auf Feldern und Wiesen. Auf der Flucht vor Feinden kann er Geschwindigkeiten von bis zu 50 Stundenkilometer erreichen. Da wundert es doch nicht, dass nicht alle der harmlosen Gesellen, die nun in Mecklenburg-Vorpommern ihre neue Freiheit genießen, einzufangen waren.

Die Vögel sind dabei sich in der Landschaft zu etablieren. Sie bilden inzwischen einen dauerhaft stabilen und wachsenden Bestand. Lediglich sehr schneereiche Winter stellen für die Laufvögel eine Herausforderung dar. Dann fällt es ihnen schwer, an die zumeist bodennahe Nahrung zu gelangen.

 

Integration eines Ausreißers: Der Umstrittene Nandu

 

Der in Europa lebende grau gefiederte Laufvogel entstammt aus langjährigen Zuchten, meist von Liebhabern dieser Art. Er hat sich so weiter an das gemäßigtes Klima gewöhnt, so Frank Philipp von der Arbeitsgruppe Nandumonitoring. Philipp und seine Mitarbeiter beobachten im Auftrag des Schweriner Umweltministeriums seit 2008 die Nandus in Mecklenburg. Basis für die Arbeit ist dabei der Paragraf 40 des Naturschutzgesetzes. Das fordert eine Überwachung und Kontrolle potenziell invasiver Arten.

Philipps Team studiert die Nandupopulation und deren Entwicklung und dokumentiert die Ergebnisse. Zudem führen die Mitglieder des Teams Untersuchungen durch, um Auswirkungen der in Deutschland neuen Tierart frühzeitig prognostizieren zu können. Philipp zählt die Tiere zweimal jählich. Im Herbst will er damit feststellen, wie viele Vögel im jeweiligen Jahr hinzukamen. Im Frühjahr geht es darum, wie die Population über den Winter kam.

In den vergangenen milden Wintern habe es kaum Verluste gegeben. Die aktuelle Herbst-Zählungen sogar einen leichten Zuwachs der Population, berichtete Philipp.

Bislang stellen die Ornithologen keine ökologischen Auswirkungen durch das Dasein der Zuwanderer fest. Zudem sind wirtschaftliche Schäden (Schädigungen von Feldfrüchten) durch den Nandu als sehr fraglich anzumerken. Die Einstufung in die so genannte „Graue Liste“ (Beobachtungsliste der Neozoen Deutschlands) sieht ein weiteres intensives Beobachten der Art vor. Eingriffe in die Population sind jedoch rechtlich nicht sicher begründbar.

Nun erklären im Biosphärenreservat Schaalsee farbige Tafeln, welch seltene Bewohner dort zu Hause sind. Hierzu gehören Sperbergrasmücke, Mittelspecht und Rotbauchunke. Vom Nandu aber fehlt die farbige Tafel, obwohl er doch, im wahrsten Sinne des Wortes ein „herausragender Bewohner“ ist. Der Vogel jedoch wird nicht immer mit Stolz erwähnt, er bleibt umstritten.

Eines steht auf jeden Fall fest, der Nandu ist im Anhang zwei des Washingtoner Artenschutzübereinkommens seit 1976 eine geschützte Art, auch hierzulande. CDC

 

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