„Osakana Post“: Sammelstelle für exotische Fische

Die Sammelstelle für exotische Fische Foto: Osakana Post

Sammelstelle für ausgesetzte Fische: Ein japanischer Umweltschützer will damit verhindern, dass sich exotische Arten ausbreiten. Das Aussetzen von Haustieren mag nur eine von vielen Ursachen für die zunehmende Ausbreitung von gebietsfremden Arten sein. In den meisten Fällen wird ein exotisches Haustier im hiesigen Klima nicht überleben. Doch unser Klima verändert sich, und gerade in den Städten überleben bereits Pflanzen und Tiere, die hier vorher nicht vorkamen. Selbst wenn die ausgesetzen Haustiere hier überleben können und sich vermehren, müssen sie nicht zwangsläufig invasiv sein, also negative Folgen für die Ökosysteme haben. Allerdings sind die Ökosysteme fragil und die Auswirkungen einer Art schwer abzuschätzen. In Deutschland ist ein Beispiel einer durch Aussetzen von Haustieren ausgebreiteten invasiven Art die Schmuckschildkröte, die die einheimischen Wasserschildkröten verdrängt.

Den meisten ist nicht bewusst, welche Folgen das Aussetzen eines Tieres oder das Aussähen von Pflanzensamen für die Ökosysteme haben kann. Ein Projekt, dass das ändern will, hat der japanische Umweltaktivist Mitsuaki Yamasaki in Tokyo gegründet:

 

Die Rotwangen-Schmuckschildkröte Foto: wikimedia CC BY-SA 3.0/Magnus Manske

Osakana-Post: der Fischbriefkasten

 

Im japanischen Fluss Tama, der im Stadtgebiet von Tokyo ins Meer mündet, lebt eine Vielzahl von nicht-einheimischen Fischen. Laut dem Umweltaktivist Mitsuaki Yamasaki gibt es dort sogar fünfmal so viele gebietsfremde wie einheimische Arten. Der Fluss hat sich wegen der vorkommenden Piranhas schon den Spitznamen Tamazon - in Anlehnung an den Amazonas – eingehandelt. Weil vermutet wird, dass es sich bei einem Großteil davon um ausgesetzte Haustiere handelt, hat Yamasaki einen Fischtank in einem nahagelegenen Park aufgestellt: Hier können Fische und Schildkröten hingebracht werden, wenn sie von ihren Besitzern nicht mehr gepflegt werden können. Dort werden sie versorgt und an Leute, die sie versorgen wollen, abgegeben. Das Projekt heißt Osakana-Post was soviel bedeutet wie Fischbriefkasten. Das soll allerdings nicht dazu anregen, schwimmende Haustiere hier einfach zu entsorgen.

 

Bewusstseinswandel am Beispiel des Tama-Flusses

 

Es ist Herrn Yamasaki wichtig, das zu betonen. Vor allem soll ein Bewusstsein für die Empfindlichkeit der Ökosysteme geschaffen werden. Gebietsfremde Arten können unvorhersehbare Folgen für Ökosysteme haben. Wenn eine Art keine natürlichen Fressfeinde hat, kann sie sich ungehindert ausbreiten und einheimische Arten verdrängen. Durch denn Klimawandel und die Einleitung von Abwasser hat sich die Wassertemperatur im Tama-Fluss erhöht. Dadurch können auch kälteempfindliche Arten den japanischen Winter überleben. Mitsuaki Yamasaki gibt auch Tipps, wie man den nicht-einheimischen Arten das Überleben schwerer machen kann: In Japan wird traditionell jeden Abend gebadet. Wenn das benutzte Badewasser nicht gleich in die Kanalisation kommt sondern zuerst noch zum Wäschewaschen verwendet wird, erniedrigt sich die Temperatur des Abwassers. Wenn außerdem der Wasserverbrauch allgemein sinkt, wird laut Yamasaki mehr Wasser aus den Staudämmen in den Bergen abgelassen. Auch dies senke die Temperatur in den Flüssen.

 

Darüber hinaus hat er sich zum Ziel gesetzt, den Kindern aus der Umgebung die Natur um sich herum näherzubringen. Er leitet Veranstaltungen wie Naturbeobachtungen und Spiele am Fluss, Probeessen der heimischen Ayu-Fische und kommt auf Anfage mit seinem „mobilen Aquarium“, um über die Fische aufzuklären. Dadurch werden vielleicht mehr Menschen in Zukunft erst einmal nachdenken bevor sie ihre exotischen Haustiere oder auch Pflanzen in die Freiheit entlassen. Das Projekt zeigt aber auch schon eine konkrete Wirkung: Die Anzahl der gebietsfremden Fische ist im Tama-Fluss bereits gesunken. FME

 

 

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