
Rotalge klaut „nützliche“ Gene von Bakterien: Physiologische Grenzen- was ist das? Im Gegensatz zu den meisten anderen Pflanzen auf der Welt scheint eine Rotalge der Gattung Galdieria einfach keine zu kennen.
Die Folge: Sie lebt überall da, wo (fast) alle anderen Lebewesen längst das Weite gesucht haben: in heißen Quellen, unter beachtlichem Einfluss von Schwermetallen wie Quecksilber und Arsen, in hochgradig salzhaltiger Umgebung- kurzum, überall dort, wo es extrem ungemütlich ist. Als wäre das nicht schon genug, ist auch die Ernährung der Pflanzen höchst variabel- mal über Photosynthese, mal über die Verspeisung von Bakterien. All dies ist den Biologen der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und der Oklahoma State University nichts Neues- doch jetzt haben sie eine regelrechte Sensation aufgedeckt.
Ihre extremen Fähigkeiten hat die Alge nämlich nicht von sich aus erworben- sondern einfach bei den Nachbarn abgekupfert. Bereits vor Millionen von Jahren erwarb Galdieria auf diese Weise ihre Temperaturresistenz von Archaebakterien, die die gleichen heißen Quellen bewohnten wie sie. Im nächsten Schritt kümmerte sich die Alge um das Schwermetallproblem- und guckte sich dafür wiederum die passenden Bakterien aus. Der Genklau der Pflanzen ist also noch nicht einmal auf eine einzige Art von „Genlieferanten“ beschränkt!
Rätsel der Überwindung von Artengrenzen
„Warum das Rad neu erfinden, wenn wir es uns bei unseren Nachbarn abschauen können“, fasst Prof. Dr. Martin Lercher aus der Düsseldorfer Abteilung Bioinformatik die Ergebnisse der in Science veröffentlichten Studie zusammen. „Horizontaler Gentransfer“ heißt das Geheimnis hinter den unglaublichen Eigenschaften von Galdieria- doch wie dieser von statten geht, wie die Alge die Grenzen zwischen den Arten überwinden konnte, ist den Wissenschaftlern nach wie vor ein Rätsel.
„Letztlich ist ihr das gelungen, wovon viele Biotechnologen träumen- sie hat Gene aus einer Vielzahl verschiedener Organismen aufgenommen und sich so neue, für den Überlebenskampf wichtige Eigenschaften angeeignet.“, erläutert Prof. Dr. Andreas Weber vom Düsseldorfer Institut für Biochemie der Pflanzen.
Wir dürfen gespannt sein, mit welchen Fähigkeiten Galdieria als nächstes von sich reden macht… NISO
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