Rote Liste: Nadelwälder in Gefahr

Foto: Wikimedia commons/Brocken Inaglory

Alarmierende Nachricht aus dem schweizerischen Hauptsitz des Weltnaturschutzorganisation IUCN in Gland: 4 807 neue Einträge auf der Roten Liste gefährdeter Arten. Somit sind nun insgesamt 70 294 Tier- und Pflanzenarten gefährdet, davon 20 934 vom Aussterben bedroht. Vor allem Nadelwälder, die ältesten und größten Organismen der Welt bereiten den Artenschützern Sorge. 34 Prozent der Zypressen, Zedern und anderer Zapfenträger ringen mit dem Tod.

 

Jane Smart, Direktorin der IUNC Biodiversität Conversation Group ist einerseits über die neuen Informationen dankbar: „So haben wir jetzt mehr Informationen über den Stand der Biodiversität der Welt als jemals zuvor.“ Doch das Gesamtbild der bedrohten Arten alarmiert sie: „Wir müssen nun dieses Wissen nutzen, um unsere Schutzmaßnahmen so effizient wie möglich zu gestalten. Es gilt die Krise des Aussterbens zu stoppen, um das Leben auf der Erde zu sichern.“

 

Nadelwald speichert dreimal so viel Kohlenstoff wie Regenwald

 

Foto: wikimedia commons/public

Die Lage von 33 Nadelbaumarten hat sich erheblich verschlechtert. Um die California Monterey Pinie (Pinus radiata) steht es zum Beispiel alles andere als gut. Eigentlich ist die weltweit am meisten verbreitete Pinie für ihr schnelles Wachstum und ihre Qualität zur Papierverarbeitung bekannt. Doch nun gefährden Krankheitserreger den Bestand - eine schlechte Nachricht für das gesamte Klima der Erde. Nadelwälder sind unersetzlich für das natürliche Gleichgewicht. Sie speichern mehr Kohlenstoff als alle anderen Organismen – abgesehen von Feuchtgebieten. Nadelwälder speichern dreimal so viel Kohlenstoff wie tropische Wälder.

 

Bei den jetzigen Untersuchungen wurden auch erstmals Süßwassershrimps berücksichtigt. 28 Prozent kämpfen um ihre Existenz. 10 Prozent fallen dem menschlichen Konsum zum Opfer. Doch die Shrimps wären auch ein wichtiger Bestandteil in der Süßwasser-Nahrungskette. Wasserverschmutzung, der Eingriff in die Lebensräume und Aquarien sind weitere Gefahren für die Schalentiere. Der Süßwasser-Shrimp Macrobrachium leptodactylus gilt als ausgestorben. Bestandsverfall und Städtebau waren seine Feinde.

 

 

Ein Süßwasser-Shrimp, Foto: wikimedia commons/Clinton&Charles Robertson

Palmölindustrie: einer der größten Schlächter weltweit

 

Zwei weitere Arten wurden ebenfalls als ausgestorben erklärt. So der Cape Verde Riesen Skink (Chioninia coctei), eine Eidechse, die zuletzt 1912 auf einer einzelnen Insel und zwei angrenzenden Inselchen gesichtet wurde. Sie fiel wohl einwandernden Ratten und Katzen zum Opfer. Der Santa Cruz Pupfish (Cyprinodon arcuatus) der im Santa Cruz Fluss in Arizona lebte, hielt dem Wasserraubbau nicht stand.

 

Aber es gibt auch ein paar gute Neuigkeiten von der Internationalen Union für die Bewahrung der Natur und natürlicher Ressourcen (IUCN). So konnten Artenschützer in Oregon und Kalifornien die Lawson’s Zypresse vor dem Aussterben bewahren. Wenn der Nadelbaum noch weitere 10 Jahre nachhaltig gepflanzt und geschützt wird, ist er wohlmöglich nicht mehr gefährdet. Aljos Farjon, Nadelbaumspezialist bei der IUCN freut sich über den Erfolg. Doch der Artenschutz muss, laut ihm intensiviert werden: „Mehr Forschung über den Stand und die Verbreitung von vielen Spezies ist dringend notwendig. Wir vermuten, dass es noch viele weitere Arten gibt, die katalogisiert werden müssen. Aber die Palmölindustrie kommt uns meist zuvor.“

 

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