Saatgut-Monopole führen zu Arten-Verarmung

Studie zum Saatgutmarkt Cover: Grüne/EFA

Machtpoker um Saatgut: Mit einer neuen Studie belegt der grüne Europa-Abgeordnete Martin Häusling aus Bad Wildungen die immer stärkere Konzentration am Markt. Obwohl die EU offiziell von vielen Züchtern spreche, beherrschten ganze fünf große Konzerne inzwischen 95 Prozent des Handels.

„Die Folgen dieser Marktkonzentrationen sind verheerend und bedeuten einen Verlust an Biodiversität“, sagte der grüne Politiker anlässlich der Vorstellung seiner Studie. „Bei den Recherchen zur Marktkonzentrationen auf dem Saatgutmarkt wurde deutlich, dass sich die Kommission aufgrund mangelnder freier Verfügbarkeit von Daten sowie unabhängig nachprüfbarer Statistiken häufig auf die Aussagen der Industrie verlässt“, fügte er als Begründung für die eigenen Recherchen an.

 

Folgen der Marktmacht: Höhere preis, weniger Artenvielfalt

 

Heraus kam: Nicht wie offiziell behauptet etwa 7.000 Saatguterzeuger beackern den Markt mit Saatgut. Es sind faktisch seht viel weniger, die sich das Geschäft teilen. Und die Folgen sind enorm, betonen die Grünen im Euro-Parlament: Der fehlende Wettbewerb führe zu erhöhten preisen, die am Ende der Verbraucher bezahle. Zweitens habe die Konzentration auf dem Saatgutmarkt direkte „Auswirkungen auf die Vielfalt der Akteure in der Saatgutbranche und damit auch auf die biologische, insbesondere genetische Vielfalt unserer Kulturpflanzen“. Drittens: Die Entwicklung der Sorten gehe nicht in die Richtung robuster und regional oder an den Klimawandel angepasster Sorten, sondern in die Richtung von Hochertragssorten, die für eine ressourcenschonende Low-Input-Landwirtschaft nicht angepasst sind.

Fazit der Recherchen: „Die Lebensmittel- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) schätzt, dass die Vielfalt der Kulturpflanzen alleine während des 20. Jahrhunderts um 75 Prozent zurückgegangen ist. Bei einem „Weiter so“ werde etwa ein Drittel der heutigen Vielfalt bis 2050 verschwinden, betonte Häusling vor der Presse.

Wie arm die Artenvielfalt auf Äckern oder in Gärten inzwischen ist, zeigen andere Zahlen: „Heutzutage liefern nur etwa 30 Kulturen insgesamt 90% der Kalorien der menschlichen Ernährung“, zitiert der abgeordnete. Nur drei Arten (Reis, Weizen, Mais) seien für etwa die Hälfte der menschlichen Kalorienzufuhr verantwortlich.

„Der Verlust von Agrobiodiversität hat drastische Auswirkungen auf die Möglichkeiten heutiger und künftiger Generationen, auf Veränderungen des Klimas und der Umwelt zu reagieren.“ Häusling forderte daher: „Reagieren wir nicht, dann riskieren wir, dass eine Vielfalt verschwindet, die Grundlage ist für eine wesentliche Stabilität der landwirtschaftlichen Ökosysteme.“


red

 

 

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