18.12.2018

Ohne Gift: Deutschlandweit verzichten bereits über 460 Städte und Gemeinden auf chemisch-synthetische Pestizide bei der Pflege ihrer Grün- und Freiflächen und tragen somit zum Schutz von Bienen und anderen Insekten bei.
Seit nunmehr einem Jahr dokumentiert der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) solche Kommunen in einer interaktiven Karte. Vor einem Jahr wurde sie mit damals 90 Städten und Gemeinden veröffentlicht.
Die Anzahl der pestizidfreien Kommunen hat sich innerhalb des Jahres verfünffacht.
Unmweltfrendliche Alternativen zum Gift gibt es
BUND-Pestizidexpertin und Leiterin des Projekts „Pestizidfreie Kommune“, Corinna Hölzel: „Viele Kommunalpolitiker nehmen ihre Verantwortung für Mensch und Umwelt ernst und verbieten den Einsatz von Pestiziden auf ihren Flächen.“ Oftmals, so sagt sie, werde diese Entscheidung durch insektenfreundliche Projekte begleitet, zum Beispiel würden Rasenflächen mit heimischem Saatgut in mehrjährige Blühwiesen umgewandelt.
Auch auf den landwirtschaftlichen Flächen, die in kommunalem Eigentum sind, tut sich nach Wissen des BUND etwas „in Richtung Insektenschutz“. Immer häufiger nähmen die Kommunen Klauseln in die Pachtverträge auf, die den Einsatz von Pestiziden verbieten oder reduzieren.
Hintergrund der Naturschutzaktion: Chemisch-synthetische Pestizide werden produziert und eingesetzt, um Beikräuter oder ungewünschte Insekten zu vernichten. Sie schädigen jedoch nicht nur diese Zielorganismen, sondern töten auch Nützlinge wie Bienen, Schmetterlinge und Wildkräuter, die wiederum wichtige Nahrungsquellen für Insekten sind. Das Insektensterben gefährdet andere Tierarten, die sich von ihnen ernähren und beeinträchtigt letztendlich die Lebensmittelproduktion für Menschen. „Rund zwei Drittel der Kulturpflanzen sind auf Bestäuber angewiesen“, erklärt Hölzel.
Der monetäre Wert der Insekten-Bestäuberleistung in Europa beträgt laut BUND zurzeit etwa 22 Milliarden Euro pro Jahr. Die Umweltschützer betonen: „Nicht zuletzt hängen auch hunderttausende Arbeitsplätze in der EU an dieser Leistung.“
„In der Landwirtschaft, in den Kommunen und in Hobbygärten gibt es umweltfreundliche Alternativen sowohl für Herbizide, wie das Ackergift Glyphosat, als auch für Insektizide oder Fungizide. Thermische oder mechanische Verfahren, stärkende Pflanzenjauchen, resistente standortheimische Pflanzen, mechanische Entfernung von Schadinsekten oder auch das altbekannte Jäten, sorgen für Blütenpracht, Verkehrssicherheit und reiche Ernten, ohne nützliche Insekten wie Bienen, Wildbienen und Schmetterlinge zu gefährden. Blütenreich und ohne Gift – das sollte das Motto aller Städte und Gemeinden sein“, sagt die Pestizidexpertin. „Unsere Städte erfüllen viele Funktionen: Lebensraum und Spielplatz, Orte der Erholung und Umweltbildung, Rückzugsgebiete für bedrohte Insekten wie Wildbienen und Produktionsstätte für viele Lebensmittel wie Obst, Gemüse und Honig. Gifte haben in dieser Umgebung nichts zu suchen.“
red

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