Seevögel in Not: PIB oft mit tödlichen Folgen!

 

Tragödie vor der Südküste Englands: Dank PIB (Polyisobuten), einem künstlich erzeugten Polymer, kamen vor Chesil/Portland mehr als 200 Lummen und andere Seevögel auf grausamste Art und Weise ums Leben.

 

Marc Smith von Wildlife Trusts war, gemeinsam mit Tierschützern der RSPCA (Royal Society for the Prevention of Cruelty to Animals), einer der ersten Augenzeugen vor Ort. Vom Ausmaß der Tragödie zeigte er sich erschüttert. „Der Strand war mit toten Vögeln übersät. Die Glücklichen, die noch lebten, konnten sich kaum bewegen, waren erschöpft, erfroren und ausgehungert.“ Was dem Naturschützer besonders die Kehle zuschnürt: „Es wäre vermeidbar gewesen.“

Foto: Image Courtesy of Portland

RSPB: Strengere Gesetze gefordert

 

Denn die Entsorgung von PIB und anderen Mineralölen ins Meer ist eigentlich gesetzlich untersagt. Leider gibt es jedoch ein Schlupfloch: Ist die Substanz niedrig konzentriert und ist das Entsorgen mit der Reinigung von Ladetanks verbunden, wird es legal! Nach Aussage der Vogelschutzorganisation RSPB (Royal Society for the Protection of Birds) forderte diese die IMO (International Maritime Organisation) schon vor fast zwanzig Jahren dazu auf, diese Gesetzeslücke zu schließen - bislang ohne Erfolg.

 

Und das, obwohl der jüngste Vorfall im Ärmelkanal nur ein Teil der bitteren Wahrheit ist. Bereits in früheren Jahren war PIB nachweislich für den Tod von tausenden von Seevögeln in der Irischen und der Nordsee verantwortlich. Die Dunkelziffer durfte noch weit höher sein, da viele Seevögel nicht nur in Küstennähe, sondern auch auf hoher See betroffen sind.

 

Alec Taylor, Fachmann für Meeresangelegenheiten bei der RSPB, erläutert: „Im verarbeiteten Zustand ist PIB für uns harmlos und begegnet uns täglich in Form von Kaugummi, Klebeband und Kosmetikartikeln. Aber das Rohmaterial ist hydrophob und bildet mit Wasser eine kleisterartige Substanz.“ Dieser Kleister hüllt die Seevögel ein und hindert sie so am Fliegen und Fressen. Das Ergebnis: Die Tiere verhungern, unterkühlen und sterben im schlimmsten Fall. Unter den Opfern von Chesil/Portland befanden sich vor allem Lummen, aber auch zehn Prozent Tordalke sowie mindestens ein Kormoran, ein Eissturmvogel und ein Tölpel.

Foto: flickr/naturgucker.de

Wie kann geholfen werden?

 

300 lebende Vögel wurden zwischen dem 30. Januar und dem 4. Februar von Wildlife Trusts, RSPB und RSPCA eingesammelt, um sie zu säubern und baldmöglichst wieder in die Freiheit zu entlassen. Der traurige Anblick toter angeschwemmter Tiere riss seitdem nicht ab.

 

Zahlen zum weltweiten PIB-Konsum sind nicht ermutigend: Er soll von derzeit 850.000 auf 1,2 Millionen Tonnen im Jahr 2017 steigen. Da der Großteil davon per Schiff transportiert wird, fürchtet die RSPB auch weiterhin um das Leben und die Gesundheit der Seevögel.

 

Deshalb soll ein von ihr ausgearbeitetes Fünf-Punkte-Programm weiteren Schaden verhindern. Wichtigste Forderung der Vogelschützer: Eine Neubewertung des Gefahrenpotenzials von PIB und anderen legal entsorgbaren Stoffen, bezogen auf ihre Auswirkungen auf das marine Ökosystem und seine Seevögel. Wenn auch Sie etwas gegen die legale Entsorgung von PIB tun möchten, können Sie das hier. NISO

 

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