
Shell macht mal Pause am Pol: Der britisch-niederländische Öl-Konzern legt seine Erkundungen nach neuen Energiequellen in der Arktis für den Rest des Jahres auf Eis. Er zieht damit die Konsequenz aus den zahlreichen Zwischenfällen bei den Probebohrungen südlich der Sitkalidak-Inseln vor Alaska.
Die Beaufort- und Tschuktschi-See zwischen den Küsten Ostsibiriens und Alaskas waren das ganze Vorjahr über Ziel von Shell-Ölsuchern. Von schwimmenden Plattformen aus, versuchten die fossile Öl- und Gaslager am Meeresboden anzuzapfen. Dabei war es mehrfach zu Zwischenfällen gekommen. Greenpeace hatte die Probebohrungen mit Kampagnen heftig attackiert.
Das Beste was Shell bei der Ölsuche vor Alaska tat
Marvin Odum, der Direktor der Shell-Tochter Upstream Americas betonte jetzt gegenüber der Presse, dass es sich bei der Ölsuche um ein 4,5-Milliarden-Dollar Mammutprojekt handle, das Shell langfristig angehe. „Die Pause erlaubt uns, die Strategie zu überplanen und Menschen sowie Maschinen auf weitere Bohrungen vorzubereiten.“

Umweltschützer dagegen vermuten im vorläufigen Rückzug der Firma das Eingeständnis zu großer Schwierigkeiten – und das völlige Abblasen der Aktion. Sie glauben, dass Shell nicht mit den großen technischen Problemen bei der Ölsuche in dieser rauen Region gerechnet habe, zitiert sie der US-Nachrichtendienst Environmental News Network.
Die Agentur zitiert Phil Radford, den Chef von Greenpeace-USA mit den Worten: „Das war das Beste, was Shell vor Alaska bislang tat.“
Die lange Liste der Beinahe-Katastrophen bei den Bohrversuchen habe belegt, dass auch ein Unternehmen, das als gut ausgerüstet gelte, dieser Aufgabe nicht gewachsen sei.
Obama soll Öl-Bohrungen verbieten
Deshalb auch hatten die Umweltschützer lange Zeit die US-Regierung von Barak Obama im Visier. Sie hatte dem Öl-Konzern die Bohrerlaubnis in dem sensiblen Meeresgebiet erteilt – obwohl das Unternehmen durch schlechtes Wetter zusätzlichen Risiken ausgesetzt war und eine Havarie im Sturm niemand wirklich ausschließen konnte. „In einem solchen Ernstfall“, betont etwa Cindy Shogan, die Direktorin der Alaska Wilderness League „gibt es im Bohrgebiet weder Ausrüstung noch Möglichkeiten Eis und Meer bei einer Ölverseuchung zu reinigen oder diese auch nur einzudämmen.“
Wenn Obama es tatsächlich ernst meine mit seiner angekündigten neuen Klimaschutz-Politik, sagen die Umweltexperten einhellig, dann wäre das Ende der Ölbohrungen vor Alaska ein erster und richtiger Schritt.
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