
Artenschützer sind entzückt: zahlreiche Erstnachweise belegen Rückkehr und Ausbreitung der scheuen Wildkatzen in mehreren deutschen Bundesländern. Eine bundesweite Inventur im Rahmen des BUND-Projekts „Wildkatzensprung“ brachte alleine in Bayern 215 gesicherte Nachweise der seltenen Art. „Die Analysen erlauben eine Schätzung von 100 bis 150 Tieren für Bayern. Dieses Ergebnis lässt uns hoffen, dass die Wildkatze in einigen Jahren wieder ganz selbstverständlich in unseren Wäldern leben kann“, sagt der BUND-Vorsitzender Hubert Weiger.
„Wir freuen uns darüber, dass die Wildkatze ihre alten Lebensräume allmählich wieder zurück erobert – das ist ein großer Erfolg, der nicht zuletzt auf aktive Naturschutzmaßnahmen zurück zu führen ist“, erläutert Beate Jessel, Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz (BfN). „Daher dürfen wir auch nicht nachlassen darin, störungsarme Wälder und unzerschnittene Räume zu erhalten und zu schaffen. Diese müssen die Wildkatzen über Korridore erreichen können“, erklärt die Expertin.

Katzen mögen Baldrian – die Inventur kann beginnen
Da Wildkatzen den Geruch von Baldrian mögen, besprühten freiwillige Helfer Holzpflöcke mit dem Lockstoff und brachten sie in fünfzig, auf ganz Deutschland verteilten Waldparzellen aus. Die Katzen rieben sich an diesen Stöcken und hinterließen Haare, die im Anschluss genetisch analysiert wurden.
Der genetische Nachweis ist wichtig, da der Laie die dämmerungs- und nachtaktiven Wildkatzen im Wald kaum von graugetigerten Hauskatzen unterscheiden kann. Dabei handelt es sich bei Felis silvestris nicht um verwilderte Haustiere, sondern um eine eigene, in Deutschland ursprünglich heimische Katzenart. „Die Entwicklung der Lockstockmethode war der Durchbruch. Endlich konnten wir nähere Informationen zur Verbreitung dieser scheuen Katze bekommen“, freut sich Hubert Weiger.

Auf zu neuen Lebensräumen – Wildkatzen auf Wanderschaft
Besonders über genetische Vielfalt der bayerischen Katzen freuen sich die BUND-Artenschützer. Die DNS-Analyse lieferte Hinweise darauf, dass nicht nur die in der neunziger Jahren ausgewilderten Katzen und ihre Nachkommen heute im Freistaat leben, sondern auch Migranten aus Thüringen und Hessen nach Bayern eingewandert sind.
Diese Erkenntnis macht deutlich, wie wichtig der länderübergreifende Artenschutz und die neu angelegten Waldverbindungen sind. Bewaldete Korridore ermöglichen es Tieren, neue Habitate zu erschließen. Aus diesem Grund plant der BUND ein bundesweites „Waldwege“-Netzwerk mit insgesamt 20.000 Kilometern Länge, für das Korridore zwischen isolierten Wäldern bepflanzt werden sollen. „Die ersten Ergebnisse der Wildkatzennachweise bestärken uns in unserem Vorhaben“, verkündet Hubert Weiger. „Die Wildkatze, und mit ihr viele weitere Arten, nutzen offenbar die Waldverbindungen, um neue Lebensräume zu erobern.“
red
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