Quallenexplosion im Meer dank Überfischung

Schlabbrige Qualle statt schmackhafter Fisch auf dem Teller? Wenn es mit der Überfischung der Meere so weiter geht, könnte dieses Szenario bald zur Realität werden.

 

Dies ist die Erkenntnis einer Studie des französischen Institut de recherche pour le développement. Die Wissenschaftler untersuchten zwei unterschiedliche, über den Benguelastrom miteinander verbundene Meeresgebiete: Während der Fischbestand vor der Küste Namibias erheblich dezimiert war, ist die Fischerei vor Südafrika seit 60 Jahren streng reguliert.

 

Die Unterschiede waren frappierend: In Namibia explodierten die Quallen regelrecht. Die Biomasse übersteigt die der Fische womöglich bereits um das Dreifache! Anders Südafrika: Hier war das Ökosystem mit seinen „traditionellen“ Nahrungsnetzen noch intakt.

 

Foto: Wikimedia commons/de.Benutzer: BS Thurner Hof

Drei entscheidende Vorteile…

 

Was haben Quallen mit Überfischung zu tun?

 

Raubfische, wie der Thunfisch, aber auch Meeresschildkröten, ernähren sich mit Vorliebe von Quallen. Auch kleinere Fische tun dies- sie begnügen sich mit den Eiern und Larven der Nesseltiere. Vorteil Nummer eins: Die Fressfeinde sind weg!

Sardinen, Heringe, Sardellen und Quallen haben Zooplankton gleichermaßen zum Fressen gern. Vorteil Nummer zwei: Die Konkurrenten ums eigene Futter sterben weg!

Die Quallen in der Überhand drehen den Spieß einfach um- und ernähren sich nun ihrerseits von den Eiern und Larven der Fische. Vorteil Nummer drei: Der finale Todesstoß kommt von den Quallen selbst!

 

Ausbeutung der Meere entgegen treten

 

Nun ist das nicht nur eine Katastrophe für das Ökosystem- auch manch leidenschaftlicher Meeresschwimmer dürfte sich mit Schrecken an die schmerzhaften Verbrennungen durch Quallententakel erinnern. Ein Grund mehr, endlich auf nachhaltige Befischung zu setzen- so geht es nicht weiter!

 

Mit ihrer Studie sind die Wissenschaftler einem alten Streit weiter auf die Spur gekommen- was ist der Grund für das Überhandnehmen der Nesseltiere in den Weltmeeren? Jetzt scheint klar: Es geht weniger um Meeresströmungen oder gestiegene, quallenfreundliche Temperaturen durch den Klimawandel, sondern eher um die menschgemachte Verschiebung der biotischen Parameter im Ökosystem.

 

Die Forscher unterstreichen die Notwendigkeit eines integrierten Managementsystems- nur bei Berücksichtigung aller Etagen des marinen Nahrungsnetzes können die Meere langfristig vor Ausbeutung bewahrt werden. Und uns gang nebenbei schmerzfreiere Schwimmerlebnisse im Wasser bescheren… NISO

 

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