Tiger und Ziege schließen Freundschaft

Foto: David Lawson; WWF

“Eine Festtagsmahlzeit“ dachte sich die Crew des Bor Wildlife Schutzgebietes in Indien, als sie ihrem Königstiger eine lebende Ziege ins Gehege warfen. Doch die Raubkatze dachte gar nicht daran, den Neuankömmling zu verspeisen, sondern schloss mit ihm Freundschaft.

 

Der Königstiger Bhangaram kam 2009 als Findelkind in das Reservat und wurden von Mitarbeitern großgezogen. Nun war es an der Zeit den Prachtkerl wieder auszuwildern. Doch das scheint fast ein Ding der Unmöglichkeit zu sein. Bhangaram stellte sich quer, er zeigte keines seiner räuberischen Urinstinkte. Auch nach zwei Tagen Futterentzug machte Bhangaram keine Anstalten die Ziege zu erlegen. Nein, die Leibspeise blieb Spielkamerad. Die Wärter waren überrascht und schockiert zugleich – ohne Jagdinstinkt ist an eine Auswilderung nicht zu denken.

 

Die Tollerei der beiden Kameraden hatte leider ein unglimpfliches Ende: Bhangaram wollte seinen neuen Freund zum Schwimmen ermutigen und stieß ihn tollkühn in sein Schwimmbecken. Die Ziege ertrank. So konnten die Wärter dem Tiger dann doch noch seine Mahlzeit liefern – in Häppchen.

 

Tigerköpfe – ausgestopft als Trophäen an der Wand

 

Foto: Adam Oswell; WWF

Der Fall Bhangaram zeigt, dass Tiger nicht von Geburt an „Bestie“ ist, der Jagdinstinkt muss ihm erst von der Mutter gelernt werden. Das mag nun das Herz des einen oder anderen Tierliebhabers erwärmen, doch für die Miezi in Großformat stellt dies ein Problem dar: die königlichen Tiere sind vom Aussterben bedroht. Wilderer sind einer ihrer größten Feinde. Krallen, Köpfe, Haare, Zähne und Knochen der Tiger gelten in Asien immer noch als Wunderheilmittel gegen allerlei Krankheiten – auch wenn es Tierschutzorganisationen in den 90er Jahren schafften, die Körperteile des Raubtiers aus den offiziellen Medizinbüchern Chinas streichen zu lassen.

 

Die Jagd auf die Großkatzen geht weiter - manch einer findet es halt schick sein Wohnzimmer mit einem Tigerkopf zu zieren. Ein weiteres Problem ist, dass die Tiger immer mehr an natürlichen Lebensraum verlieren. Schuld daran ist meist der Mensch, Wälder müssen für die Landwirtschaft brandgerohdet werden oder es braucht mehr Platz für Städte.

 

97 Prozent des ursprünglichen Bestandes der Tiger ausgerottet

 

 

Foto: Adam Oswell; WWF

Der Tiger besiedelte einst fast ganz Asien, vom Ochotskischen Meer bis in die östliche Türkei hinein. Heute kommt er nur noch verstreut von Nepal und Indien bis zur malaiischen Halbinsel sowie auf Sumatra und in Russlands Fernem Osten vor. Man geht davon aus, dass nur noch 3.200 Tiere in freier Wildbahn leben. Der WWF lud 2010 zu einem Tigergipfel. Die Staatspräsidenten aller 13 Tiger-Verbreitungsländer einigten sich auf das Ziel, die Zahl der Großkatze von 3200 Tieren bis 2022 zu verdoppeln und dafür mehr als 300 Millionen Euro zur Verfügung zu stellen. Konkret sollen die wichtigsten Tigerlebensräume identifiziert sowie Kern-Schutzzonen eingerichtet und miteinander verbunden werden.

 

Auf der aktuell laufenden Artenschutzkonferenz in Bangkok hielten die >Organisation Traffic und der WWF einen besorgniserregenden Bericht. Die Wilderei und der Schmuggel mit Tiger-„Produkten“ blüht , trotz des weltweiten Handelsverbot. 110 Tiger fallen jährlich Wilderern zum Opfer. Laut WWF sind schätzungsweise 97 Prozent seines ursprünglichen Bestandes bereits ausgelöscht und etwa 93 Prozent seiner ehemaligen Lebensräume vernichtet. Es ist also dringend an der Zeit, etwas zu tun – im Sinne der Tiger.

 

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