
Forscher suchten fast ein halbes Jahrhundert nach ihm: dem israelischen Hula-Frosch. Als sie ihn trotz aller Bemühungen nicht finden konnten, wurde er 1996 als weltweit erste Amphibie für ausgestorben erklärt. Doch nun berichtet ein Team von israelischen, französischen und deutschen Wissenschaftler in Nature Communications von der Wiederauferstehung des Frosches – der Naturschutz in der Hula-Ebene trägt somit unerwartete Früchte.
In den 1950er Jahren führte die Intensivierung der Landwirtschaft und die Trockenlegung von Tümpeln zum Verschwinden des Hula-Frosches (Latonia nigriventer). Nach der letzten Sichtung eines lebenden Exemplars 1955 galt die Art ab 1996 als ausgestorben. In der Zwischenzeit wurden der ursprüngliche Amphibien-Lebensraum in Israel nahe der syrischen und libanesischen Grenze wieder bewässert und ehemalige Sümpfe renaturiert.
Renaturierung mit unerwarteten Folgen
Forscher entdeckten nun in einem geschützten Feuchtgebiet gleich mehrere Latonia-Vertreter. Miguel Vences, Amphibienspezialist und Evolutionsbiologe an der Technischen Universität Braunschweig ist entzückt: „Diese Wiederentdeckung hat Biologen auf der ganzen Welt begeistert, denn es zeigt, dass sich Naturschutz selbst in scheinbar hoffnungslosen Fällen auszahlen kann.“
Sarig Gafny, Professor an der israelischen Ruppin Universität, erklärt: „Es ist unglaublich, dass diese Amphibienart seit über 60 Jahren in dieser intensiv untersuchten Region unentdeckt überlebt hat. Vielleicht kann dieser israelische Frosch zum Trendsetter werden – möglicherweise haben auch Amphibien in anderen Winkeln der Erde überlebt, die wir bereits als ausgestorben ansehen”. Sein Kollege aus Tel Aviv und Koordinator der Arbeiten zum Hula-Frosch, Eli Geffen, fügt hinzu: „Eine Wiederbewässerung von größeren Teilen des Hula-Tales wäre eine wichtige Maßnahme, um die Population dieser und anderer seltener Arten zu schützen.”
Lebende Fossilien – eine Besonderheit
Lebende Fossilien, seien es Pflanzen- oder Tierarten, haben keine nahen Verwandten mehr. Oftmals entstammen sie einer weitverbreiteten Gattung, deren Arten aber mit der Zeit wieder ausgestorben sind. Das charakteristische Merkmal eines lebenden Fossils ist ein – wenn überhaupt – nur geringfügig veränderter Körperbau über Jahrmillionen hinweg. Stabile Umweltbedingungen, der Mangel an Fressfeinden oder die geographische Isolation ermöglichen dies. Neben bekannten Vertretern wie dem Quastenflosser oder dem Ginkgo gehört auch der Hula-Frosch in diese Gruppe.
Morphologische und genetische Untersuchungen zeigten, dass es sich bei dem Hula-Frosch um ein lebendes Fossil handelt. Sein Knochenbau ähnelt sehr stark dem der bereits vor einer Millionen Jahren ausgestorbenen Riesenfrösche der Gattung Latonia. „Angesichts der großen genetischen Unterschiede ist es klar, dass sich der Hula-Frosch vor mindestens 19 Millionen Jahren von seinen nächsten heute lebenden Verwandten getrennt hat”, erläutert Professor Vences. JET
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