Vor zehn Jahren: Deutschland unter Wasser

Fotos: Christoph Hellhake

Ausnahmezustand in Dresden - Land unter an der Donau: Im Osten und Süden Deutschlands schwoll vor genau zehn Jahren das Hochwasser tagelang an, bis am 17. August 2002 der Pegel der Elbe in Dresden mit 9,38 Meter seinen historischen Höchststand erreichte. Seither wurde viel in den Hochwasserschutz investiert. Versäumt worden sei hingegen der ökologische Hochwasserschutz mit dem Schwerpunkt der Auenrenaturierung, kritisiert der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger.

Über eine Woche lang herrschte damals vielerorts der Ausnahmezustand. Das Hochwasser verursachte nach angaben des Umweltbundesamts (UBA)etwa elf Milliarden Euro Schaden. „Über 370.000 Menschen waren betroffen, 21 Menschen starben“, bilanziert das Amt in Dessau in der Rückschau auf die Katastrophe.

 

Hochwasserschutz: versprochen – aber rasch vergessen

 

Tausende von Menschen aus ganz Deutschland bemühten sich nach dem Abflauen des Hochwassers um Schadensbehebung. „Bundesregierung und Elbanrainer-Länderregierungen haben nach der Jahrhundertflut 2002 vor der Presse versprochen, den Flüssen mehr Raum zu geben“, sagt Weiger heute – geschehen sei nichts oder zumindest oft zu wenig: „Kaum hatten sie den Presseraum verlassen, war das Versprechen schon vergessen.“

Die Verbesserung der Schiffbarkeit, so kritisieren mehrere Umweltverbände, scheine noch immer Priorität vor dem Hochwasserschutz für Natur und Menschen zu haben. Das lasse sich der Staat Millionen kosten. Viel Geld sei damit falsch ausgegeben. Die Schaffung zusätzlicher Feuchtgebiete könne den Wasserhaushalt in den Flusseinzugsgebieten stabilisieren und wäre zudem ein wertvoller Beitrag zum Schutz bedrohter Tier- und Pflanzenarten.

„Schon vor dem Jahrhundert-Hochwasser 2002 hatte die internationale Kommission zum Schutz der Elbe 35.000 Hektar als mögliche Flächen für Auenrenaturierungen und Deichrückverlegungen identifiziert“, sagt BUND-Flussexperte Winfried Lücking. Umgesetzt sind davon bis jetzt „weniger als fünf Prozent davon“. Der Wasserrückhalt in der Fläche werde vernachlässigt. „Da auch das Elbe-Einzugsgebiet über Gräben oder Drainagen entwässert wird, verlieren Wiesen, Wälder, Sümpfe und Moore weiter ihre natürliche Schwammfunktion. Und was an der Elbe gilt, gilt auch für die meisten anderen Flüsse in Deutschland“, sagte Lücking.

 

Umweltbundesamt: Mehr Raum für die Flüsse

 

Das UBA stimmt zu: „Der Flächenverlust natürlicher Überschwemmungsgebiete ist eine wesentliche Ursache für die Schwere der Schäden.“ An der Elbe bei Lenzen in Brandenburg und unterhalb von Aken in Sachsen-Anhalt seien zwar Deichrückverlegungen erfolgt, „dies ist aber zu wenig“, kommentiert das Amt die getroffenen Schutzmaßnahmen.

Wichtig sei auch die Entwicklung der Bebauung in Flussnähe zu steuern. Baugebiete in Flussnähe müssten überdacht werden. Die amtlichen Naturschützer: „In vielen ehemaligen Überschwemmungsgebieten liegen heute Städte, Straßen und Industrieanlagen.“ Noch immer sei damit die Gefahr durch weitere Überschwemmungen erheblich.

UBA-Chef Jochen Flasbarth: „Die Flüsse brauchen mehr Raum, um sich bei Hochwasser auf natürliche Art und Weise ausbreiten zu können und Deiche müssen zurückverlegt werden, um ehemalige Auen wieder mit dem Fluss zu verbinden.“

 

Bildgalerie "Hochwasser" von Christoph Hellhake

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