Wachteln sind uns Menschen gar nicht so unähnlich- auch sie verlieren ungern vor Publikum Die Niederlage lässt sich offenbar umso schwerer verwinden, je mehr andere die eigene Schmach mitbekommen haben.
Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Ornithologie in Seewiesen untersuchten verschiedene soziale Wachtelgruppen, die jeweils aus zwei Männchen (einem dominanten und einem untergeordneten) sowie drei Weibchen bestanden. Beim Aufeinandertreffen zweier dominanter Männchen kommt es unweigerlich zum Kampf um die Vormachtstellung: Obwohl dabei durchaus die Fetzen fliegen, fügen sich die Kontrahenten in der Regel keinen ernsthaften Schaden zu. Jedenfalls keinen körperlichen.

Wie es hingegen um die Psyche bestellt ist, scheint stark von der (Nicht-) Geheimhaltung des Kampfes abzuhängen. Legten sich zwei Männchen miteinander an, ohne dass ihnen jemand dabei zusah, stieg der Testosteron-Gehalt im Blut beider Gegner deutlich an. Zurück in ihrer sozialen Gruppe konnten Sieger wie Verlierer ihre Stellung als Leithahn aufrecht erhalten.
“Testosteron ist dem Sieger egal“
Anders beim Kampf vor Zuschauern: Nach Rückkehr in die Gruppe wurden die Verlierer von ihren Artgenossen „verprügelt“- und das bislang untergeordnete Männchen wurde zum neuen Chef. Liegt das daran, dass, im Gegensatz zum Sieger, im Blut des Verlierers kein erhöhter Testosteron-Spiegel nachweisbar war? Die Forscher machten die Probe aufs Exempel und „puschten“ die unterlegenen Vögel mit einer Testosteron-Creme. Das Ergebnis: Die Verlierer blieben Chefs ihrer Gruppe. Also alles nur eine Frage der Hormone?
Nicht ganz- denn als den Gewinnern der Kämpfe im Gegenzug ein Testosteron-Blocker injiziert wurde, blieb dennoch alles beim Alten: Sie blieben Gruppenoberhaupt ihrer kleinen Schar. Katharina Hirschenhauser, Erstautorin der Studie, schließt daraus: „Dem Sieger ist sowohl Testosteron als auch das Publikum egal, er scheint allein aus der Erfahrung seinen ‚Siegerblick‘ zu tragen.“
Interessant ist nun die Frage: Macht es einen Unterschied, ob das beim Kampf beobachtete Männchen von der Beobachtung etwas mitbekommt? Anders gefragt: Wirkt vor allem die Schmach der Niederlage schwächend auf die Verlierer- oder ist es die Aggression der Artgenossen? Oder beides? Wir dürfen gespannt sein auf neue Erkenntnisse aus Seewiesen. NISO
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