
Der tiefste und klarste See Norddeutschlands ist „See des Jahres 2012“. Am Weltwassertag (22. März) verlieh der Global Nature Fund (GNF) den Titel an den Stechlin-See in Brandenburg, weil es „einer der interessantesten Seen unter den norddeutschen Gewässern“ sei, wie es dazu in der Laudatio des 2009 gegründeten Naturschutz-Netzwerks „Lebendige Seen Deutschland“ heißt.
Am Weltwassertag wird aber nicht nur Stechlin gelobt: Dass Wasser als unser wichtigstes Lebensmittel nämlich nur solange sauber und gesund sein könne, wie wir es schützten, betont BUND-Wasserexperte Winfried Lücking: Neben einer wachsenden Weltbevölkerung und der zunehmenden Industrialisierung gehöre die sich ausdehnende agrarindustrielle Landwirtschaft zu den Hauptursachen der gegenwärtigen Wasserkrise.
Die Naturschützer des BUND listen in einer Pressemeldung zum Weltwassertag die Gründe für die sich zuspitzende weltweite Wasserkrise auf. Der Aufkauf von Ländereien und die damit einher gehende Vertreibung von Kleinbauern, die Privatisierung von Wasserressourcen durch internationale Kapitalgesellschaften und eine weiträumige künstliche Beregnung großer Felder in wasserarmen Regionen: Solche Praktiken verschärften die Wasserprobleme zusätzlich.
Durch Übernutzung und Verschmutzung wachse der Druck auf die Wasserressourcen. Der Klimawandel werde ebenfalls dazu beitragen, dass künftig besonders in den wasserärmeren Regionen mit Versorgungslücken und Engpässen zu rechnen sei, so der BUND-Experte.

Nach Schätzungen der Vereinten Nationen würden im Jahr 2025 zwei Drittel der Weltbevölkerung von Wasserknappheit betroffen sein. Verursacht werde dies vor allem von großen Industrie- und Agrarbetrieben, die für rund 70 Prozent des weltweiten Wasserverbrauchs verantwortlich seien. Fast eine Milliarde Menschen hätten bereits jetzt keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser und über 2,6 Milliarden keinen Zugang zu akzeptablen sanitären Einrichtungen. Eine Privatisierung der Wasserversorgung lehnte der BUND-Wasserexperte ab.
Auch am Stechlin in Brandenburg ist die Welt nicht nur rosa. Der im waldreichen Naturpark Brandenburgs Stechlin-Ruppiner Land gelegene Stechlinsee beherbergt eine unzählige Vielfalt an Unterwasserflora, insbesondere die ausgedehnten Bestände der seltenen, auf nährstoffarme Verhältnisse angewiesenen Armleuchteralgen finden hier ideale Lebensbedingungen. Für Touristen bietet das Gebiet einmalige ungestörte Naturerlebnisse. Dabei hat der See eine komplizierte Vergangenheit: Die thermische Belastung aus dem Atomkraftwerk Rheinsberg sowie die Nährstoffeinträge aus der Ortschaft Neuglobsow und aus der Ära des Massentourismus hatte der See aufgrund seines gewaltigen Volumens von 97 Million Kubikmetern und seines guten Puffervermögens durch den hohen Kalkgehalt scheinbar gut verkraftet. Doch ein gutes Jahrzehnt nach Abschaltung des Kraftwerks zeigte der See eine Reihe besorgniserregender Veränderungen. Die Phosphorkonzentrationen im Tiefenwasser stiegen schnell und beständig an. Innerhalb von zwei Jahrzehnten verlor der See 100 Hektar seiner wertvollen Unterwasserpflanzengesellschaften. Die Entwicklung verschiedener Planktonarten nahm massenhaft zu. Noch sind nicht alle Faktoren, die für diese Veränderungen verantwortlich sind, ausreichend analysiert. Auch der Klimawandel könnte hierfür verantwortlich sein.
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