Wie der Mensch die Evolution aufmischt

Foto: Wikimedia commons/Joao Medeiros

Der ökologische Fußabdruck des Menschen macht auch vor der „natürlichen“ Evolution nicht halt. Und obendrein wird er auch noch sehr viel schneller sichtbar als bislang gedacht.

 

Es ist die perfekte Symbiose für die tropische Palme Euterpe edulis und Obstliebhaber Tukan oder Großer Schwätzer. Während die einen köstliche, mundgerechte Früchte produzieren, die genau auf die Schnabelgröße ihrer gefiederten Freunde angepasst sind, sorgen die anderen durch Verdauung dafür, die Palmsamen möglichst weit zu streuen und zu verbreiten.

 

Es war die perfekte Symbiose. Bis der Mensch auf der Bildfläche erschien und im 19. Jahrhundert begann, Kaffee und Zuckerrohr anzubauen. Ergebnis in den betroffenen Gebieten des brasilianischen Regenwalds: Zusammenhängende Palmgebiete waren mal; heute sind sie zerstückelt. Diese sogenannte Fragmentierung führte auch zur Dezimierung der Obst fressenden Vögel.

 

 

80 Prozent des atlantischen Regenwalds fragmentiert

 

Fatal nicht nur für die Vögel, sondern auch für die Palmen. Wer sollte ihre großen Samen nun weiter unters Volk bringen, wenn nicht Tukan & Co? Die erstaunliche Erkenntnis einer internationalen Forschergruppe unter Federführung der Universidade Estadual Paulista in São Paulo: Die Pflanzen haben sich der Situation angepasst und produzieren jetzt kleinere Samen als zuvor! Wozu auch Energie und Ressourcen in extragroße Früchte stecken, wenn da niemand mehr ist, der den „Versand“ übernimmt?

 

Foto: Wikimedia commons/ponizej

Das ist an sich noch nichts Neues, sondern entspricht lediglich dem Grundrezept der Evolution. Dass der Mensch aber, wie genetische Analysen nahe legen, in nur 100 Jahren für derart radikale Veränderungen sorgen kann, war bislang nicht bekannt. „Kleinere Samen sind anfälliger gegenüber Austrocknung und anderen Faktoren des Klimawandels“, zeigte sich Mauro Galetti, Erstautor der Science- Studie, besorgt. Während das Ökosystem in den nicht-fragmentierten Gebieten noch intakt ist, haben die „fragmentierten“ Palmen zudem das Problem, dass kleinschnäbeligere Vögel wie Drosseln nicht in der Lage sind, die Fruchtausbreitung zu übernehmen.

 

„Ein Einzelfall ist das leider nicht“, seufzt Galetti. Der Mensch könnte in den Tropen noch viel mehr anrichten. Laut Forscherteam sind 80 Prozent des atlantischen Regenwalds zerstückelt. Die erfolgreiche „Restaurierung“ dieser Gebiete hängt entscheidend davon ab, wie gut die einzelnen Lebewesen miteinander kooperieren können. Der Verlust dieser sogenannten Mutualismen gefährdet die Schlüsselfunktionen ganzer Ökosysteme. Diese „Schlüssel“ zu erkennen und zu analysieren, daran arbeiten Galetti und seine Kollegen auch weiterhin unermüdlich. global° wünscht ihnen viel Erfolg! NISO

 

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