Aus dem Bunker in die Zukunft

Helmur Nägele (li) und Jürgen Pfitzer Foto: Tecnaro

Kunststoff ohne Erdöl: Mit ihrer Erfindung vor genau 20 Jahren legten Jürgen Pfitzer und Helmut Nägele den Grundstein für ihr Business – und eine neue Generation künstlicher Materialien, die sie auf der Basis nachwachsender Rohstoffe herstellen.

Das Wirtschaftsmagazin der IHK Heilbronn-Franken widmet den beiden Forschern und ihrem Kunststoff aus Holz in der aktuellen Ausgabe gleich mehrere Seiten. So ungewöhnlich ist der Aufstieg von Tecnaro: von ihren Anfängen in einem stillgelegten Sprengstoffbunker bis heute. Nägele über den Start des Unternehmens: „Zu dieser Zeit war der Gedanke und der Begriff von ‚Nachhaltigkeit‘ noch nicht in allen Köpfen angekommen. Die Forschung im Bereich Polymertechnik war absolutes Neuland und kaum jemand hat versucht, die Idee von Bio-Kunststoffen tatsächlich umzusetzen.“

 

Auch Kunststoff muss aus nachwachsenden Rohstoffen bestehen

 

Ihr neuer Kunststoff „Arboform“ jedoch war und ist sensationell. Jürgen Pfitzer: „Firmen riefen plötzlich an, wollten für ihre Bauteile, Folien oder Platten Granulat bestellen. Das Problem war jedoch, dass wir als Forschungsinstitut ja nicht produzierten und so entschieden wir uns dann 1998 das Unternehmen Tecnaro – für TEChnische NAchwachsende ROhstoffe – zu gründen.“

 

Granulat-Herstellung Foto: Tecnaro

Der Erfolg bag Pfitzer und Nägele recht. Bei immer mehr Firmen aus ganz unterschiedlichen Branchen ist inzwischen Umweltschutz und die Wahl von ressourcenschonenden Materialien ein Thema. Helmut Nägele: „Die Frage ist nicht, ob sich die Materialwahl in der Kunststofftechnik ändern wird, sondern die Frage ist alleine, wann das geschehen wird.“ Die Argumente dafür liegen auf der Hand, beschreiben die Tecnaro-Gründer in der IHK-Zeitschrift: Erdöl ist ein endlicher Rohstoff und bereits heute schwer förderbar. Zudem ist Öl auf dem Weltmarkt von vielen Einflussfaktoren abhängig sowie Preisschwankungen unterworfen. Hinzu kommen eine miserable Klimabilanz so wie Skandale um krebserregende Weichmacher in Baby- und Kinderspielzeug, in Kosmetika sowie Verpackungen von Lebensmitteln.

 

Plastik ist nur noch Übergangslösung

 

Für Pfitzer ist die heutige Kunststoff-Technologie nurmehr eine Brücktechnologie. Sie werde abgelöst, betont er: „Gerade auf langfristige Sicht – mit Blick auf die Millionen von Tonnen Plastik in den Weltmeeren, deren Kleinstteile in unsere Nahrungskette gelangen – sind neue Lösungen gefragt.“


red

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