Aus „Energie-Abfall“ zusätzlich Strom erzeugen

Screenshot: Orcan Energy

Energie-Recycling: Abwärme, die allein in Deutschland in Unternehmen oder bei der Stromerzeugung verpufft, lässt sich einfach und günstig zusätzlich Energie gewinnen. Das Potenzial ist immens: „5 Gigawatt pro Jahr“, schätzt das Münchener Start-up Unternehmen Orcan Energy. Die wollen deren Experten mit Technologie „von der Stange“ jetzt nutzen.

Die Firma ist eine Ausgründung der Münchener TU. Die Technologie namens Organic Rankine Cycle (ORC) entwickelte der schottischen Physiker William John Macquorn Rankine im ausgehenden 19. Jahrhundert. Jetzt beschreiben die Ingenieure von Orcan Energy ihr Minikraftwerk ePack im Fachblatt Technology Review.

„ORC-Anlagen funktionieren ähnlich wie Dampfturbinen“, erläutert das Technologie-Portal Heise-Online die Funktionsweise: Die Turbinen aber arbeiten dabei nicht mit Dampf, sondern mit „organischen Kältemitteln wie Pentan, Butan oder diversen Fluorkohlenwasserstoffen“. Der Vorteil: „Während klassische Dampfkraftwerke eine mehrere Hundert Grad heiße Wärmequelle brauchen, kommen ORC-Maschinen mit deutlich weniger aus, weil die Kältemittel schon bei niedrigeren Temperaturen verdampfen.“

 

20 KW-Kraftwerk passt auf zwei Europaletten

 

Das Problem: Solche Anlagen waren bislang fast immer Spezialanfertigungen – und damit teuer. Der Clou von Orcan Energy: Die Firma nutzt am Markt vorhandene Bauteile, die ihre Ingenieure nur ein wenig umrüsten. Sie erkannten, „dass sich einige – auf den ersten Blick unpassende – Bauteile mit minimalen Änderungen für den ORC-Prozess zweckentfremden lassen“, erklärt Geschäftsführer Andreas Sichert. Anstatt Mini-Dampfturbinen zum Antrieb des Generators etwa nahmen sie kurzerhand „Kompressoren, wie sie tausendfach in Klimaanlagen und Wärmepumpen verbaut sind“: „Entfernt man ein Rückschlagventil, lassen sie sich wie Turbinen betreiben“, lautet die Lösung des Problems.

Das Ergebnis: zehn Patente sowie das Kleinkraftwerk ePack. Es leistet 20 Kilowatt, wiegt rund zwei Tonnen und hat die Grundfläche von zwei Europaletten. Als Kältemittel dient laut Orcan Energy eine harmlose handelsübliche Substanz. Abwärme von Flüssigkeiten kann das ePack ab einer Temperatur von 110 Grad verstromen, von Gasen ab 200 Grad. „Der Wirkungsgrad bei solchen Anlagen ist nicht besonders hoch, etwa zehn Prozent“, gibt Sichert zu. „Aber das ist nicht so schlimm, da sie Abfallenergie nutzen.“

Die ersten Anlagen sind inzwischen verkauft. Sie arbeiten zuverlässig, betonen die Hersteller. Weitere ePacks will Orcan Energy etwa an Betreiber von Blockheizkraftwerken oder Industriebetriebe, bei denen Abwärme anfällt verkaufen. Die Investition lohne dabei sogar ohne Fördergelder, rechnet Sichert vor: ePack nämlich erzeugt die Kilowattstunde schon für 6 Cent, das Geld für die Anschaffung mache sich also „in drei bis vier Jahren bezahlt“.


pit

 

 

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