Die Lüge vom kleinen Spritschlucker

Autohersteller tricksen beim Benzinverbrauch. Eigentlich klingt es ja ganz gut: Zwischen 2007 und 2011 sanken die CO2-Emissionen der Privat-PKWs EU-weit von 158,7 auf 140, 3 Gramm pro gefahrenen Kilometer.

 

Zumindest auf dem Papier. Denn leider stellte der ICCT (The International Council on Clean Transportation) in seiner Studie noch etwas fest: Die Lücke zwischen dem theoretischen und dem praktischen Verbrauchswert stieg zwischen 2001 und 2011 von unter zehn auf rund 25 Prozent! „Die meisten Autofahrer sind sich dieser Lücke bewusst. Wenn sie sich vergrößert, schlägt sich die angebliche CO2-Ersparnis nicht im Portemonnaie der Verbraucher wieder. Diese verlieren das Vertrauen und sind nicht mehr bereit, in neue, umweltfreundlichere Technologien zu investieren“, bringt eine weitere ICCT-Studie das Problem auf den Punkt.

 

Foto: Wikimedia commons/Rama

Autobauer schummeln legal

 

Die Vergrößerung der Lücke liegt nicht nur daran, dass immer mehr Autos mit Klimaanlage unterwegs sind. Auch nicht nur daran, dass viele Neuwagen mit Technologien ausgestattet sind, die „im Labor“ deutlich energieeffizienter sind als auf der Straße. Nein, es geht auch um die Ausnutzung von „Schlupflöchern“ beim derzeit gültigen Testverfahren des NEDC (New European Driving Cycle). Auf gut deutsch: Die Autobauer tun alles, um den CO2-Verbrauch künstlich zu drücken. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung, die sich wiederum auf eine T&E-Studie (Transport and Environment, Dachverband ökologisch orientierter Verkehrsclubs aus Europa) beruft, sind sie dabei äußerst erfindungsreich: Windschnittigere Wagen durch Verkleben von Ritzen und Fugen seien ebenso Alltag wie die Anpassung von Temperatur (30 Grad Celsius gelten als günstig) oder Rollenwiderstand beim Testlauf. Illegal ist das nicht.

 

Der T&E nimmt in seiner Studie kein Blatt vor den Mund: „Das NEDC-Testverfahren ist veraltet und unrealistisch. Die laxen Bestimmungen erlauben es den Autobauern, die Tests so zu manipulieren, dass die Ergebnisse unrealistisch niedrig sind.“ Nachbesserungen seien dringend erforderlich.

 

WLTP ab 2016/2017?

 

Besonders brisante Erkenntnis des ICCT: Die Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit wuchs besonders zwischen 2007 und 2008- also in dem Zeitraum, als verpflichtende Klimaziele für Neuwagen eingeführt wurden. Zufall? Mal ganz abgesehen von der Irreführung der Verbraucher und der Verschärfung der Klimawandel-Problematik: Dem Staat entgehen durch das nur bedingt praxistaugliche NEDC-Verfahren auch noch CO2-basierte Fahrzeugsteuern.

 

Die USA machen vor, wie es besser gehen kann: Das amerikanische Testverfahren FTP (Federal Test Procedure) liefert realistischere Verbraucherangaben als das europäische. Kein Wunder- laut Süddeutscher Zeitung spielen dort Alltagsszenarien wie eingeschaltete Klimaanlage, Vollbremsungen und starkes Beschleunigen eine ungleich größere Rolle.

 

http://www.sueddeutsche.de/auto/benzinverbrauch-so-manipulieren-die-autohersteller-1.1633746-2

Laut Handelsblatt könnte ab 2016/2017 Hilfe in Form des weltweit eingeführten WLTP (Worldwide Harmonized Light Vehicles Test Procedure) nahen. Seine Schwerpunkte: „die größtmögliche Realitätsnähe zum weltweiten Verkehrsgeschehen und zum Fahrverhalten.“ NISO

 

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