Die Tourismusbranche blüht, das Wasser versickert

Süßwasserpools direkt vor dem Meer gehören in der Luxuskategorie dazu Foto: wikimedia commons/Richard Michael Shaw

Luxushotels und Golfresorts verschwenden Wasser im Übermaß. Nicht selten auf Kosten der einheimischen Bevölkerung. 2012 führte Trinkwasserknappheit in fünf Regionen zu sozialen Unruhen.

 

Die tourismuskritische Organisation TourismConcern mit Sitz in London untersuchte letztes Jahr die Wassergerechtigkeit im Tourismus und kam zu einem besorgniserregenden Ergebnis: Das Menschenrecht auf Wasser wird in vielen Ländern durch den Tourismus verletzt. So verbrauchen Luxushotels auf Sansibar bis zu 3 195 Liter Wasser pro Tag und Hotelzimmer. Ein normaler Haushalt auf der tansanischen Insel muss mit 93,2 Liter aus kommen.

 

Cholera auf Sansibar wegen rücksichtslosem Tourismus

 

Den Tourismusfürsten vor Ort ist scheinbar bewusst, dass sie mit ihrer Wasserwirtschaft die Einheimischen in eine prekäre Notlage befördern. Sie bieten folgenden Lösungsansatz: Sicherheitskräfte bewachen ihre Wasserleitungen, um die Einheimischen davon abzuhalten, sich ihren Anteil abzuzapfen. Dem nicht genug: Einige Hotels auf Sansibar lassen ihr Abwasser einfach in anliegende Flüsse und kontaminieren so das Trinkwasser. Vier Einwohner starben an Cholera.

 

In Goa verbraucht ein Fünfsternhotel 1 785 Liter Wasser pro Gast und Tag. Den Einheimischen bleiben gerade noch 14 Liter pro Tag, also knapp 0,8 Prozent der Menge, die ein Feriengast verbraucht. Die Vereinten Nationen sprechen im Zuge des Menschenrechts auf Wasser jeder Person 50 bis 100 Liter Wasser zu.

 

„Oft heißt es, dass der Tourismus gute Jobs mit sich bringt und zu einem wirtschaftlichen Aufschwung führt. Das macht aber erst Sinn, wenn die Regierungen ihre Wasserreserven und die Umwelt vor den Einflüssen schlechter Tourismusplanung schützen“, meint Rachel Noble, Leiterin von Politik und Forschung bei Tourism Concern.

 

Auch in Indien versäumt die Regierung nachhaltigen Tourismus zu fördern: Im südindischen Kerala verseuchen Treibstoff und Abwasser der vielen touristischen Hausboote Seen, Lagunen und Flüsse. Den Einheimischen fehlt es nun an wichtigen Nahrungsmitteln und ihrer Einkommensgrundlage: den Fischen und Garnelen.

 

Die Schattenseiten des Ferienparadieses Bali

 

Im Grünen golft es sich am protzigsten! Dafür braucht es viel Wasser Foto:wikimedia commons/Hectorivan

Auf dem Ferienparadies Bali verlassen immer mehr Bauern ihre traditionellen Reisfelder. 1000 Hektar jährlich gehen verloren. Grund sind rapide steigende Immobilienpreise durch den Tourismus. Die Reisbauern können ihre Pachten nicht mehr bezahlen und ihre Felder nicht mehr bewässern. Die lebenswichtige Ressource Wasser plätschert nur noch in Süßwasserpools von Küstenresorts und Luxushotels. Brechdurchfall ist auf Bali mittlerweile eine Volkskrankheit.

 

Auch in Gambia mindert Luxustourismus den Lebensstandard der Einheimischen drastisch. Dort stehen die Frauen mittlerweile um vier Uhr morgens auf, um Wasser zu ergattern. Lange Schlangen bilden sich schon im Morgengrauen vor den wenigen Wasserpumpen. Die Hotels jedoch haben sich eigene Brunnen gebohrt und zapfen den Einheimischen die Grundwasserreserven weg. Kostenlos - eine Wassergebühr gibt es in Gambia nicht.

 

Noble fordert die Hoteliers auf, über ihre Hotelmauern zu schauen: „Hotel- und Reisebetreiber haben eine klare Verantwortung, Menschenrechte in ihren Unternehmungen zu respektieren. Es ist für den Tourismussektor an der Zeit Verantwortung für ihren Wasserverbrauch und die Auswirkungen ihres Konsums zu übernehmen.“

 

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CFE

 

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