
Resistente Maiswurzelbohrer breiten sich in den USA immer schneller aus. Auch Deutschland sollte sich dieser Gefahr bewusst sein, denn in der EU ist die Zulassung des umstrittenen Genmais' 1507 so gut wie beschlossen.
Der Westliche Maiswurzelbohrer (Diabrotica virgifera) macht seinem Namen „Eine-Milliarde-Dollar-Käfer“ alle Ehre. Die Larven dieses 5 Millimeter großen Käfers fressen die Wurzeln von Maispflanzen. Diese verkümmern dann aufgrund von Nährstoffmangel oder kippen sogar um. So entsteht in den USA jedes Jahr ein Schaden von mehr als einer Milliarde Dollar. Der Biotech-Konzern Monsanto wollte diesem wirtschaftlichen Verlust Einhalt gebieten und brachte 2003 einen gentechnisch veränderten Mais gegen den Wurzelbohrer, den so genannten Bt-Mais, auf den Markt. Dieser transgene Mais produziert ein speziell für den Maiswurzelbohrer giftiges Protein, das Bt-Protein Cry3Bb1. Bereits 2009 machte dieser Bt-Mais 45 Prozent aller Maispflanzen in den USA aus. Vor allem im mittleren Westen der USA, dem so genannten Corn Belt, setze sich der Mais rasch durch. Im Jahr 2012 wurde auf 15 Millionen Hektar Agrarfläche transgener Mais mit Maiszwurzelbohrer-Resistenz angebaut. Erste Ergebnisse zur „Funktionalität“ des Genmais' im Freiland lagen bereits Ende Juli 2011 vor.
Heilsversprechen von Monsanto geht nicht auf
In seiner Veröffentlichung in der Online Zeitschrift PloS ONE berichtete der Entomologe Aaron Gassmann von der Iowa State University erstmalig von Maiswurzelbohrern in Iowa, die im Feld gegenüber dem Bt-Protein resistent geworden sind. Die Zahl der befallenen Felder stieg von 2009 bis 2011 stetig an. Zudem beschränkt sich die Resistenz nicht nur auf ein, sondern 3 verschiedene Bt-Proteine. Die Forscher fanden heraus, dass die Käfer sogar Kreuzresistenzen gegen 2 dieser Varianten entwickelt haben.
Für viele Wissenschaftler, darunter auch Professor Dr. Stefan Vidal von der Georg-August-Universität Göttingen, ist diese Entwicklung nicht überraschend. Die in den USA angebauten Bt-Maistypen produzieren zu geringe Dosen des Bt-Giftes, so dass mindestens 2 Prozent der Käfer überleben. Dies beschleunigt die Entstehung von Resistenzen. Daher sprachen sich Wissenschaftler, die die Environmental Protection Agency (EPA) bei der Zulassung der transgenen Maistypen in den USA berieten, für Refugienflächen von 50 Prozent aus. Seitens der Behörden wurden jedoch nur 20 Prozent vorgeschrieben. Laut Vidal ist der Grund für die rasante Ausbreitung der Resistenzen vor allem im Verhalten der Landwirte zu suchen: "Es handelt sich dabei in erster Linie um ein Managementproblem." So müssten den nicht resistenten Käfern ausreichend große Genmais-freie Felder als Refugien von den Bauern überlassen werden.
Warnschuss für Deutschland und die EU
Anfang der 1990er Jahre wurde der in Nordamerika beheimatete Maiswurzelbohrer nach Europa eingeschleppt und breitete sich über Ost- nach Westeuropa aus. In Italien vernichtete er 2009 insgesamt etwa eine Million Tonnen Mais. Im Jahr 2007 machten die Landwirte in Deutschland erstmals Bekanntschaft mit diesem Käfer. „Wir können davon ausgehen, dass die Dichten und die Schäden, die der Maiswurzelbohrer in den USA anrichtet, in intensiven Maisanbaugebieten in Europa auch auftreten können“ so Stefan Vidal. Im Hinblick auf die bevorstehende Zulassung der gentechnisch veränderten Maissorte 1507 in Europa und dem möglichen Anbau in Deutschland muss diese Nachricht auch den Landwirten hierzulande eine Warnung sein. Für die Biotechnologie ist der Warnschuss schon 2011 gefallen. Die Wechselwirkung zwischen transgener Pflanze und Schädling wird nicht ausreichend beobachtet. Die Ausbildung von Resistenzen muss durch geeignete Maßnahmen auf den Feldern kontinuierlich verhindert werden. Ein Kontrollverlust, wie wir ihn bereits bei den Antibiotika miterleben, darf nicht passieren.AVA
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