Gutes Gewissen ade: Kritik am Fairen Handel

Arabica-Kaffee-Bohnen Foto: Wikimedia CC/H.Zell

Fairtrade: Doch bloß „gut gemeint? Christopher Cramer, ein Ökonom der University of London wirft Käufern des Kaffees mit dem Gutmenschen-Gütesiegel blanke Naivität vor. In seiner aktuellen Studie, aus der The Guardian jetzt zitiert, rechnet er mit der Idee, dass bewusster Konsum die Herstellungs-Bedingungen von Waren ins Positive wenden könne, scharf ab: „Laut unseren Untersuchungen war Fairtrade kein effektiver Mechanismus, um das Leben der ärmsten Landbevölkerung, der angestellten Arbeiter, zu verbessern.“

Cramers Studie ist ernüchternd. Sie berichtet von Löhnen, die eben doch für die Fairtrade-Bauern nicht höher sind als für Arbeiter auf konventionellen Kaffee- und Tee-Plantagen. Und sie geht Hinweisen auf Kinderarbeit nach.

Dabei findet die Idee, mit einem Preisaufschlag für Waren, die Umwelt und die Arbeiter zu schonen, immer mehr Anhänger – vor allem in Deutschland steigt der Marktanteil fair gehandelter Produkte Jahr um Jahr: oft zweistellig. Den Käufern „garantiert“ die Organisation – darunter viele Weltladen-Initiativen, Kirchengemeinden oder Umweltgruppen - „die Gewissheit, dass die Lebens- und Arbeitsbedingungen von Bauern und Beschäftigten durch Fairtrade-Preise und -Prämie verbessert werden“. Dafür lassen sie dann gerne einen Zusatz-Obolus an der Kasse liegen.

 

Fairtrade dementiert – weitere Studien kritisieren das Handelssystem

 

Auch Cramers Kollege Bruce Wydick von der University of San Francisco kritisiert dies Versprechen. „Fairtrade-Kaffee ist eines der uneffektivsten Mittel der Armutsbekämpfung.“

Den Wissenschaftlern widerspricht inzwischen - natürlich – die internationale Fairtrade-Organisation heftig. Die Studien, so der Konter, verglichen Äpfel mit Birnen und verallgemeinetrne unzulässig. Dennoch: Die Online-Ausgabe des Wochenblatts Die Zeit zitiert weitere, ähnliche Forschungen: „Forscher der Universitäten Berkeley und San Diego untersuchten die Daten aus 13 Jahren von Kooperativen in Guatemala und fanden praktisch keinen langfristigen positiven Effekt“, schreibt die Zeitung. Fazit der Forscher: „Die wirtschaftlichen Vorteile werden durch die hohen Zertifizierungskosten wieder aufgefressen.“


pit

 

 

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