Spekulationsblasen führen oftmals zu Wirtschaftskrisen – bestes Beispiel: die Insolvenz der US-amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers im September 2008. Laut einer neuen Studie des California Institute of Technology sind instinktive biologische Mechanismen in den Gehirnen der Börsenhändler dafür verantwortlich. Diese Mechanismen verleiten zum Zocken und zu Vorhersagen bezüglich des Verhaltens anderer Mitmenschen.

Die im Fachjournal Neuron veröffentlichte Studie bietet erstmals Einsichten in die Gehirnprozesse, die finanziellen Entscheidungen zugrunde liegen und Spekulationsblasen entstehen lassen. Mittels funktioneller Magnetresonanztomographie (fMRT) beobachteten die Wissenschaftler ihre Versuchspersonen bei der Abwicklung fiktiver Finanzgeschäfte. Dabei misst ein MRT die Blutströme im Gehirn und gibt somit Aufschluss über Aktivitäten in bestimmen Gehirnarealen.
Die Forscher fanden heraus, dass die Entstehung von Spekulationsblasen mit erhöhten Aktivitäten in einen Areal verbunden ist, in dem die Beurteilung von monetären Werten stattfindet. Je höher die Aktivität in diesem Gehirnbereich war, desto mehr neigte die betreffende Person zum Spekulieren und zu Fehleinschätzungen. Daneben zeigten die MRT-Aufnahmen auch erhöhte Aktivitäten aus dem Areal, welches für soziale Interaktionen bzw. das Abschätzen von Verhaltensweisen anderer Menschen zuständig ist.
Zocker unter Gruppenzwang
Dr. Benedetto De Martino, Leiter der Studie, erläutert: „Wir fanden heraus, dass in einer Spekulationsblasen-Situation die Leute anfangen, den Markt als einen strategischen Gegner zu sehen und sich ihre Gehirnprozesse verändern, während sie finanzielle Entscheidungen treffen. Sie fangen an, sich vorzustellen, wie sich die anderen Händler verhalten werden, und das verleitet sie dazu, ihr Urteilsvermögen in Bezug auf die Gewinnhöhe zu verändern. Sie lassen sich weniger durch eindeutige Informationen leiten, wie die aktuellen Preise, sondern fokussieren mehr darauf, wie sich der Markt ihrer Meinung nach verändern wird.“

Ursprünglich entwickelten sich diese Prozesse, damit wir besser in sozialen Situationen zurechtkommen, erklärt der Wissenschaftler. Wenn wir uns allerdings in einem so komplexen System wie den Finanzmärkten bewegen, können sie zu unproduktiven Verhalten und einem Boom-Bust-Zyklus (Zyklus von Aufschwüngen und Wirtschaftskrisen) führen, so De Martino.
Daneben stellten die Forscher fest, dass die Teilnehmer gehäuft schlechte Einscheidungen trafen, wenn sie den Unterschied zwischen ihren eigenen Einschätzungen und dem tatsächlichen Marktwert feststellten. Die schlechten Entscheidungen wiederum führten zu Spekulationsblasen.
Peter Bossaerts, Professor an der University of Utah und Co-Autor der Studie, beschreibt den Umstand als Gruppen-Illusion. Wenn die Teilnehmer Unregelmäßigkeiten und Kursschwankungen bemerkten, glaubten sie, dass geschicktere Leute die Kurse beeinflussten, und machten aus den Finanzgeschäften ein großes Spiel. „Allerdings gibt es in der Realität nichts zu gewinnen, weil keiner es besser weiß“, so Bossaerts.
Zusatzinformation zum Begriff „Spekulationsblase“
Finanz-Lexikon.de definiert den Begriff „Spekulationsblase“ folgendermaßen: „Durch steigende Kurse eines Vermögenswertes steigt bei den Anlegern die Hoffnung, dass sich diese Phase noch über einen längeren Zeitraum hinzieht. Deshalb wird ihre Kauflust angeregt, da sie damit rechnen, in einer späteren Phase mit Gewinn verkaufen zu können. Aufgrund der ansteigenden Käuferzahl steigt anfänglich tatsächlich der Preis des Finanztitels. Allerdings kann es schnell passieren, dass sich die Kurse durch die anhaltenden Käufe vom eigentlich realistischen Niveau entfernen und es zu einer Preiskorrektur kommt.“
JET
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