
Stahlwerke sind bislang alles andere als Klimaschutz-Vorbilder. Nun will ausgerechnet der weltweit größte Player am Markt „in seinem Stahlwerk in Gent den Chemieabfall mithilfe einer neuen Technologie zu Bioethanol verarbeiten“, berichtet die taz. 87 Millionen Euro Investiert der Konzern dafür.
Das indische Unternehmen ArcelorMittal plant gemeinsam mit dem auf das Kohlendioxid-Recycling spezialisierten Konzern LanzaTech und Primetals Technologies, einem Dienstleister in der Eisen- und Stahlindustrie, im belgischen Gent die erste kommerzielle Anlage Europas zur „Erzeugung von Bioethanol aus Abgasen der Stahlherstellung“. Das gab der Stahlhersteller bekannt. „Das mit diesem Verfahren gewonnene Bioethanol kann den Ausstoß von Treibhausgasen um mehr als 80 Prozent im Vergleich zu herkömmlichen fossilen Brennstoffen reduzieren“, begründet ArcelorMittal sein Klimaschutz-Engagement.
Gasfermentierung reduziert CO2-Ausstoß des Stahlwerks
Schätzungsweise 60 Millionen Tonnen CO2 bläst die Branche allein in Deutschland pro Jahr in die Atmosphäre. Das ist über ein Drittel der Abgase aus der Braunkohle-Verstromung.
47.000 Tonnen Ethanol will ArcelorMittal in dem neuen Werk künftig pro Jahr erzeugen – mit doppelten Nutzen für die Umwelt, da das Verfahren Ressourcen einspart und zugleich weniger CO2 emittiert. „Das Verfahren baut auf die so genannte Gasfermentierung auf, entwickelt hat es die neuseeländische Firma Lanza-Tech“, beschreibt die taz die neue Technologie. Die Stahlkocher von ArcelorMittal benennen die Vorzüge ihrer neuen Anlage so: „Etwa 50 Prozent des Kohlenstoffs, der für chemische Prozesse der Stahlproduktion verwendet wird, verlässt den Prozess als Kohlenmonoxid. Zurzeit wird dieser Abgasstrom entweder abgefackelt oder zur Erzeugung von Wärme und Strom innerhalb des Stahlwerks verwendet. In jedem Fall wird Kohlenmonoxid verbrannt und es treten CO2-Emissionen auf.“
Dabei verpesten für jede Tonne erzeugten Rohstahls rund 1,35 Tonnen Kohlendioxid die Atmosphäre der Erde.
Darm-Bakterium von Kaninchen als Helfer beim Klimaschutz
Ein Darmbakterium, das LanzaTech-Gründer Sean Simpson in Eingeweiden von Kaninchen isolierte, könnte den Klimaschutz verbessern. Mit seiner Hilfe entsteht aus Kohlenmonoxid nämlich Bioethanol. Der „Biosprit“ kann dann Treibstoff aus fossilen Kohlenwasserstoffen ersetzen oder wenigstens als Beimischung strecken. Dieses von LanzaTech entwickelte Verfahren mache, sagt ArcelorMittal , „Recycling von Abgasen durch deren Gärung, unter Beteiligung von Mikroben zur Erzeugung von Bioethanol möglich“. Jede Tonne Bioethanol, die damit erzeugt werde, ersetze „5,2 Barrel Benzin (etwa 826 Liter) und mindert den CO2-Ausstoß bei ArcelorMittal um 2,3 Tonnen.
Die Produktion soll 2017 in Gent starten. „Bei Nutzung des vollen technologischen Potenzials“, sagt der Stahlkonzern, könnte er in Europa rund 500.000 Tonnen Bioethanol erzeugen.
pit
Lesen Sie auch:
Biotreibstoff aus Abfällen und tierischen Fetten

Sarah Baker Foto: LLL/flickr CC
Wissenschaftler am Lawrence Livermore Forschungslabor haben nicht nur den Schlüssel gefunden, mit...

Foto: Pixabay CC/PublicDomain/Pexels
Superbowl: In der Nacht des Football-Endspiels der besten Teams verzehren die Zuschauer – im...

Foto: Pixabay CC/PublicDomain/Arek Socha
Neue, Idee für die Energiewende: Wissenschaftler der City University Hongkong entwickelten einen...
Foto: Pressenza (CC BY 4.0)
Die Organisationen IALANA, IPPNW und ICAN weisen anlässlich des Tages der Menschenrechte auf den...

Foto: ZDF / Martin Kaeswurm
Der amerikanische Finanzinvestor Blackrock verwaltet im Auftrag seiner Kunden über sechs Billionen...

Screenshot: gunther-moll.de
Eine lebenswerte Zukunft im Einklang mit der Natur ist auf diesem Planeten möglich, wenn wir uns...