Liberalisierung verteuerte den Strompreis

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Verbraucher zahlen die Zeche: 20 Jahre nach dem Ende des Monopols am Strommarkt zieht die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg eine ernüchternde Bilanz: "Im Rückblick muss man klar sagen, dass Privatkunden die Verlierer des freien Energiemarktes sind."

In der Abteilung "Bauen, Wohnen, Energie" ist deren Chef Matthias Bauer ziemlich ernüchtert über den einst von neoliberalen Politikern als Vorteil für die Stromkunden verkaufte neue Freizügigkeit des Energiemarkts: "Das einzig Positive, was man sagen kann, ist, dass Verbraucher ihren Energieversorger nun frei wählen können." Wer den hohen Preisen, die Kunden am Markt heute vorfinden, entgehen will, könne "sich unter den hochpreisigen einen günstigeren Anbieter suchen und den Tarif wechseln“.

 

Strompreis könnte sinken, wenn EEG-Ausnahmen wegfallen

 

Vor 20 Jahren endete mit dem ersten „Gesetz zur Neuregelung des Energiewirtschaftsrechts (EnWG)“ das Monopol der etablierten Stromkonzerne. Die Liberalisierung des Strommarktes veränderte zwar die Märkte. Profitiert aber haben, nach Auffassung der Verbraucherschützer nicht die Stomkunden, sondern ausschließlich die Anbieter. „Die drastischen Preissenkungen, die sich die Politik für Verbraucher erhofft hat, haben sich nicht bewahrheitet“ sagt heute der VZ-Experter Bauer. In Folge der Liberalisierung sei es zwar tatsächlich zu Preisreduzierungen von bis zu 40 Prozent gekommen, ohne dass Energieversorger Gewinne einbüßen mussten. „Der Strom ist nur auf den Großhandelsmärkten billiger geworden,“ weiß der Fachmann, „die Preise für die Endkunden sind hingegen kontinuierlich gestiegen.“

Für Haushalte habe sich der Strompreis von rund 17 Cent im Jahr 1998 auf nun 29 Cent verteuert.

Damit Verbraucher 20 Jahre nach der Liberalisierung wirklich von einem gerechten Energieanbietermarkt profitieren könnten, müsse, schreibt die VZ BAden-Württemberg in einer Pressemeldung, sich die politischen Rahmenbedingungen ändern. Um den Energiemarkt verbraucherfreundlich zu gestalten, fordern die Verbraucherschützer Politik und Gesetzgeber auf, "Verbraucher endlich in den Mittelpunkt des Energiemarktes zu stellen und die Lasten fairer zu verteilen". Matthias Bauer: „Der Strompreis für Verbraucher könnte deutlich gesenkt werden, wenn die Ausnahmen für energieintensive Unternehmen bei der EEG-Umlage abgeschafft werden“,

Denn während Unternehmen den höchsten Stromverbrauch haben, verbrauchen Privathaushalte nur etwa 25 Prozent des Stroms, zahlen aber 36 Prozent der EEG-Umlage. Auch Unternehmen, die aus fossilen Energien selbst Strom erzeugen, sollten, so Bauer, dafür die volle EEG-Umlage zahlen, denn bislang seien diese davon weitgehend befreit.


red

 

 

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