Nachhaltig einkaufen – in Deutschland Fehlanzeige

Nachhaltig einkaufen Foto: Biofach

Vernichtendes Urteil: Nur jeden fünften Verbraucher in Deutschland interessieren nachhaltige Argumente. Das ergab eine internationale Studie, aus der aktuell die Tageszeitung Die Welt zitiert. Dafür befragten Unternehmensberatung Accenture und die Mediengruppe Havas 30.000 Konsumenten in 20 Ländern.

„Die Ergebnisse sind ernüchternd“, wertet die Zeitung dieses Ergebnis: „Während viele gerade noch bereit sind, ein paar Cent mehr beispielsweise für fair gehandelte Produkte auszugeben, ist das Interesse an den ökologischen und sozialen Hintergründen des Konsums gering.“

 

Nachhaltig einkaufen? Hauptsache es ist günstig!

 

Die Studien-Ergebnisse: Die Wissenschaftler kippen Klischees in Sachen Nachhaltigkeit. Deutschland, schreiben sie, sei beileibe keine „Hochburg für den Kampf um umweltbewussten, tierfreundlichen und sozialverträglichen Konsum“, zitiert die Zeitung: „Auf die Frage, was sie bewegen könnte, Nachhaltigkeit in ihren Kaufentscheidungen stärker zu berücksichtigen, sind die Deutschen nach der Erhebung nur bei einem von acht Kriterien führend: Es darf nicht teurer werden.“

 

Nachhaltiger Konsum: „Wirtschaft hat eine Bringschuld“

 

Informationen „über die Auswirkungen der Nutzung und Herstellung von Produkten“ besorgen sich laut dieser Studie ganze 13 Prozent der Konsumenten vor einem Einkauf. Und das gelte weltweit. Nur die Japaner toppten diesen traurigen Trend noch: „Dort wollen sich nur sieben Prozent damit befassen, was hinter den Marketing-Fassaden steckt“, zitiert die Welt aus der Studie.

Die Meinungsforscher von Accenture und dHavas leiten in diesem ernüchternden Ergebnis eine „Bringschuld“ für die Wirtschaft ab: „Unsere Studie legt nahe, dass die meisten Dialoge über Nachhaltigkeit, die von Unternehmen in Gang gesetzt werden, es nicht schaffen, an das anzuknüpfen, was Verbraucher für wichtig halten.“ Ziele seien abstrakt, Berichte Zahlen lastig und Formulierungen unverständlich!

 

Beispiele schlechter Kommunikation über Nachhaltigkeit

 

 

Sustainability-Studie Cover: Accenture

Beispiele für ihre These nennen die Wissenschaftler zuhauf. Die Zeitung zitiert: „Der Markenhersteller Unilever (Langnese, Knorr, Bifi) bietet seinen deutschen Kunden einen „Sustainable Living Plan“ an. Der Henkel-Nachhaltigkeitsbericht setzt sich 20-Jahres-Ziele und Fünf-Jahres-Ziele in sechs „Fokusfeldern“, die mit drei strategischen Prinzipien erreicht werden sollen. Die Reihe ließe sich problemlos fortsetzen.“

Trotz des vernichtenden Resultats hält Alexander Holst von Accenture die Arbeit an den Zahlen strotzenden Berichte und Broschüren nicht für vergeblich. Es müsse jetzt nur der nächste Schritt folgen: „Die Unternehmen müssen die Ergebnisse auf die Produktebene herunterbrechen.“ Sie müssten, mit anderen Worten, zeigen, welchen Nutzen ein nachhaltiges Produkt für den Kunden ganz konkret habe. Statt sich mit der eigenen Umwelt- und Sozialverträglichkeit bloß in der Werbung zu brüsten, müssten die Firmen dafür sorgen, dass sie zum Kaufargument werde. „From Marketing to Mattering.“ Dem Marketing müsse jetzt Relevanz folgen.

 

Erste gute Beispiele: Unternehmen lernen Nachhaltigkeit zu leben

 

Dafür nennt Holst erste Beispiele: Rewe und sein Label „Pro Planet“ oder Edeka und seine Kooperation mit dem WWF oder Real, das verspreche, Sozialverträglichkeit und Tierschutz bei Textilien und Lebensmitteln durchzusetzen.


red

 

 

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