22.11.2018

Nachhaltigkeit in Unternehmen: Eine kritische Betrachtung

Footo: freephoto pixabay CC

Die Dieselkrise zeigt es deutlich: Unternehmen stehen heute im Rampenlicht wie nie zuvor. Sie sollen bei der Bekämpfung des Klimawandels mit gutem Beispiel vorangehen, global vereinbarte Ziele für eine nachhaltige Entwicklung erreichen und sicherstellen, dass bis 2050 neun Milliarden Menschen auf der Erde gut leben können.

Fortschrittliche Unternehmen sehen nicht nur ihren Profit, sondern auch ihre Verantwortung für eine florierende Zukunft der Gesellschaft. Das war nicht immer so. Wie hat sich das Konzept der Nachhaltigkeit in der Wirtschaft entwickelt?

Im Jahr 1962 sorgte die Naturschützerin Rachel Carson mit ihrer wegweisenden Arbeit “Silent Spring” für Aufsehen, als sie die schädlichen Auswirkungen giftiger Pestizide auf die Natur, die Tierwelt und den Menschen beleuchtete. Sie forderte, dass Unternehmen für ihre Handlungen zur Rechenschaft gezogen werden. In dieser Zeit entstanden NGOs wie WWF (1961), Friends of the Earth (1971) und Greenpeace (1971).

So begann eine wachsende Aktivismusbewegung, die die Öffentlichkeit auf die Auswirkungen von Unternehmen auf Mensch und Umwelt aufmerksam machte.

 

Ziel erkannt, Gefahr noch nicht gebannt

 

Die Atomkatastrophe von Tschernobyl (1986) und die Ölkatastrophe von Exxon Valdez (1989) haben die potenziell katastrophalen Auswirkungen der Industrie erneut unterstrichen.

In anderen Ländern wurden durch die Förderung des Freihandels Ressourcen und Märkte für die Unternehmen geöffnet. Doch die Sorgen hinsichtlich einer Massenausbeutung von Menschen und Ressourcen in Entwicklungsländern wuchsen.

Erste Unternehmen reagierten: Nike und andere Konzerne führten Ende der 90er-Jahre Verhaltensregeln für Lieferanten ein und begannen, ihre Lieferketten zu prüfen. Freiwillige Richtlinien und Standards wurden entwickelt. Mit der Gründung der Fairtrade Foundation im Jahr 1992 nahmen auch die Konzepte des fairen Handels Gestalt an.

Während Firmen mit Vorwürfen des "Greenwashing" konfrontiert wurden - einer irreführenden PR-Methode über die Nachhaltigkeit unternehmerischer Maßnahmen, die es gar nicht gab - entwickelten sich zunehmend strategischere Ansätze zur Nachhaltigkeit in der Wirtschaft. Unternehmen wie El Pozo gingen mit gutem Beispiel voran und entwickelten Methoden für ökologische Nachhaltigkeit, etwa bei der Aufbereitung von Abwasser.

Henkel möchte seine Effizienz bis 2030 verdreifachen und gleichzeitig seinen sozialen und ökologischen Fußabdruck reduzieren. „Wir sind überzeugt, dass unser Fokus auf Nachhaltigkeit wichtiger ist als je zuvor“, sagt Uwe Bergmann, Direktor für Nachhaltigkeitsmanagement bei Henkel. "Wir haben unsere ersten konzernweiten Ziele im Jahr 2010 erreicht und uns bis 2030 ehrgeizigere Ziele gesetzt. Wenn wir uns zwingen, mehr mit weniger zu tun, unterstützen wir unser Wachstum, erhöhen unsere Kosteneffizienz und reduzieren Risiken."

 

Es ist nicht alles Gold, was glänzt

 

Trotz des Fortschritts gab es auch nach der Jahrtausendwende schwerwiegende Katastrophen wie die Explosion von Deepwater Horizont von BP im Jahr 2010, als 4,9 Millionen Barrel Öl in den Golf von Mexiko gelangten, oder der Einsturz des Rana Plaza-Gebäudes in Dhaka, Bangladesch, bei dem 2013 rund 1.100 Textilarbeiter starben. 2015 führte der VW-Abgasskandal dazu, dass die Bemühungen des Unternehmens um Nachhaltigkeit untergraben und die Geschäftsethikin Zweifel gezogen wurde. VW hat sich seitdem mehr als 25 Milliarden Euro Schadensersatz geleistet.

Es ist wichtig, dass weiterhin Vorschriften und Gesetze entwickelt werden, um die Unternehmen zu größerer Transparenz zu bewegen und die sozialen und ökologischen Auswirkungen ihres Handelns zu verringern. Einige Firmen integrieren soziale und ökologische Prioritäten in die Strukturen ihrer Organisationen und unterscheiden nicht mehr zwischen Nachhaltigkeit und ihren Kerngeschäftszielen.

Es ist aber auch von entscheidender Bedeutung, dass kleine Unternehmen und Verbraucher in die Lage versetzt werden, nachhaltig zu agieren - eine große Herausforderung.

 

Kerstin Dreesen

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