Deutschland muss noch Hausaufgaben machen

Foto: Flickr CC/Mr. Kris

Ein neuer Index für die UN-Nachhaltigkeitsziele (Sustainable Development Goals, SDG-Index) zeigt erstmals, wo die Weltgemeinschaft steht: Alle Länder sind noch deutlich von der Erfüllung der insgesamt 17 vor einem Jahr auf einem UN-Sondergipfel in New York festgelegten Ziele entfernt.

Während die OECD-Staaten vor allem im Bereich „Verantwortungsvoller Konsum“ und bei ihren Beiträgen zur internationalen Entwicklungszusammenarbeit Versäumnisse aufholen müssen, scheitern viele Entwicklungsländer noch an grundlegenden Entwicklungszielen wie Hungerbekämpfung und Sicherheit.

Der SDG-Index ist die erste weltweite Vergleichsstudie von Industrie- und Entwicklungsländern zur Erreichung der Nachhaltigkeitsziele und wurde von der Bertelsmann Stiftung in Zusammenarbeit mit dem Sustainable Development Solutions Network (SDSN) der UN erarbeitet. Für die Studie wurden Daten aus 149 Ländern aufbereitet und verglichen.

 

Deutschland im Nachhaltigkeits-Index unter den Top-Ten

 

Die Länder, die die Nachhaltigkeitsvorgaben am ehesten erfüllen, sind nicht die größten Volkswirtschaften, sondern vergleichsweise kleine, aber wohlhabende europäische Staaten: Schweden, Dänemark und Norwegen erreichen die höchsten Platzierungen im Ländervergleich. Die Werte für die USA (25. Platz) und China (76. Platz) verdeutlichen, dass die großen Volkswirtschaften trotz ihres absoluten Reichtums in puncto nachhaltiger Entwicklung noch aufholen müssen. Dennoch schneiden die Industriestaaten insgesamt am besten ab. Am unteren Ende der Skala befinden sich fast ausschließlich afrikanische Entwicklungsländer wie die Zentralafrikanische Republik und Liberia.

 

Deutschland belegt im weltweiten Ranking den 6. Platz hinter der Schweiz und den skandinavischen Ländern. Laut Index liegt Deutschland mit einem Ergebnis von rund 81 Punkten über dem OECD-Durchschnittswert (73 Punkte). Zusammen mit Großbritannien (10. Platz) ist es das einzige Land der G7-Staaten unter den Top Ten.

 

Index als Messlatte für Stand nachhaltiger Entwicklung

 

„Die Staats- und Regierungschefs haben ambitionierte Ziele vorgegeben. Nun müssen alle auch ihre Hausaufgaben erledigen, damit wir bis 2030 die UN-Ziele erreichen“, kommentiert Aart De Geus, der Vorstandsvorsitzender der Bertelsmann Stiftung. Studienautor Jeffrey Sachs ergänzt: „Der SDG-Index mit seinem klaren Rankingsystem soll den Staaten helfen, ihren individuellen Weg zur Erreichung der Nachhaltigkeitsziele zu finden und zu gehen.“

 

Auch wenn Deutschland im internationalen Vergleich gut abschneidet, ist hier ein Trend zu steigender sozialer Ungleichheit feststellbar. Die einkommensstärksten 10 Prozent der Bevölkerung verdienen mehr als die einkommensschwächsten 40 Prozent. Auch bei weiteren Zielen müssen Deutschland und die Industriestaaten insgesamt noch nachlegen: Das gilt beispielsweise für die Bereiche internationale Zusammenarbeit, Infrastruktur, Klimaschutz und Artenvielfalt.

Um global als Vorbild für Entwicklungs- und Schwellenländer zu gelten, müssen alle Industriestaaten ihre Investitionen in diesen Bereichen erhöhen. Den Zielwert bei der Entwicklungshilfe von 0,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts erreicht Deutschland noch nicht (0,5 Prozent). Außerdem hinkt die Bundesrepublik beim Zugang zum mobilen Breitbandinternet anderen OECD-Staaten hinterher. Auch der hohe CO2-Ausstoß ist in Deutschland mit rund 9 Tonnen pro Kopf zwar geringer als beim OECD-Spitzenreiter USA (17 Tonnen), aber gleichzeitig deutlich höher als in vergleichbaren Volkswirtschaften wie Großbritannien (7,1 Tonnen) und Frankreich (5,2 Tonnen).


red

 

 

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