Neues EU-Zertifikat verdrängt deutschen Bioraps

Keine Abholzung von Regenwäldern, Trockenlegung von Mooren oder Umbruch von Grünland – auf diese Kriterien für nachhaltig produzierten Biosprit einigte sich die EU im Jahr 2009. Deutschland stand als eines der ersten Länder in den Startlöchern – nach Informationen der Welt erwarben seither nicht weniger als 1.000 Agrarunternehmen das <REDcert-DE>-Zertifikat.

 

So weit, so gut – doch dann sorgte die EU-Kommission 2012 dafür, dass die deutschen Landwirte in die Röhre schauten. Wie? Mit der Einführung eines neuen EU-Zertifikats, das das deutsche plötzlich für null und nichtig erklärte. Kurz gesagt: Nachhaltigen Biosprit gibt’s jetzt nur noch, wenn das EU-Siegel drauf ist, alles andere gilt nicht.

 

Foto: Wikimedia commons/DerFussi

Preisverluste für nicht-mehr-zertifizierten Bioraps

 

Den deutschen Landwirten bleiben also nur zwei Möglichkeiten: entweder das teure EU-Zertifikat zusätzlich erwerben oder auf ihren Rohstoffen zur Spritproduktion sitzen bleiben. Für die Rapsbauern heißt das konkret: Ihre gesamte Ernte des Jahres 2012 ist auf einmal weitgehend wertlos. Sie gilt von heute auf morgen als unzertifiziert und damit unbeliebt – wer sie trotzdem loswerden will, muss Preisverluste hinnehmen.

 

Deutsches, eigentlich nachhaltiges Rapsöl muss den Markt räumen – zugunsten von billigerem Palm- und Sojaöl aus Übersee. Der Witz dabei: Diese Produkte werden von der EU-Kommission nicht auf ihre Nachhaltigkeit hin überprüft. Nicht nur die „Agrarier“, sondern auch das Klima könnten also unter der Neuverordnung leiden. Zumal es gemäß einem Gutachten, das der Verband der Deutschen Biokraftstoffindustrie (VDB) in Auftrag gab, kaum Unterschiede zwischen dem deutschen und dem EU-Zertifikat gibt, wie die Welt berichtet. Ob sich die EU-Kommission daraufhin noch zu einer Übergangslösung bereit erklären wird, bleibt offen.

 

Nach Informationen des Bundesumweltministeriums konnten dank Biosprit-Einsatz im Jahr 2012 4,7 Millionen Tonnen CO2-Ausstoß eingespart werden. Aus, Schluss, vorbei? Ein unnötiger Rückschritt auf dem Weg zur Energiewende? NISO

 

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