Weltweiter Einsatz von Dünger- ein Fass ohne Boden. Und nie war es bodenloser als heute. Zwischen den 60er Jahren und 2009 stieg der globale Verbrauch von unter 40 auf mehr als 160 Millionen Tonnen! Das stellten der WWF und die Heinrich-Böll-Stiftung in einer gemeinsam veröffentlichten Studie fest.
Darin untersuchten sie die Auswirkungen synthetischer Fertilizer auf tropische und subtropische Böden weltweit. Ihr Fazit: „Vor allem die heutige Stickstoffdüngung gefährdet die Ernährungssicherung von morgen.“ Denn die kurzfristige, ertragssteigernde Wirkung von Dünger sei nur dann der Rede wert, wenn man sie nicht der langfristigen Auslaugung und Versauerung der Böden gegenüber stelle. Mit dieser einher gehen Biodiversitätsverlust, Ansammlung toxischer Ionen sowie Lachgasemissionen aus überschüssigem Stickstoff.
Synthetischer Stickstoff, das Zauberwort der fleißigen Subventionierer zur Bekämpfung des Welthungers- für die Autoren der Studie ein Irrweg. „Er zerstört die Bodenfruchtbarkeit, eine zentrale Grundlage der Landwirtschaft, und gefährdet ganze Ökosysteme“, warnt Birgit Wilhelm, Referentin für nachhaltige Landwirtschaft beim WWF.

“Dünger-Subventionen stoppen!“
„Die Herausforderung besteht darin, Dünger so zu nutzen, dass sie langfristig zu einem Aufbau der Bodenfruchtbarkeit führen. Auf synthetischen Stickstoff kann dabei weitestgehend verzichtet werden“, erklärt sie weiter. Zu den bodenschonenden Alternativen zählen etwa tierischer Dünger, Kompostierung, Agroforstwirtschaft oder Gründüngung. Das kommt auch dem Humus zugute, der entscheidend für die Verfügbarkeit von Wasser und Nährstoffen ist.
Bis zu 70 Prozent des Agrarbudgets einzelner afrikanischer Regierungen fließen in die Subventionierung von Düngern- für Christine Chemnitz, Referentin für internationale Agrarpolitik in der Heinrich-Böll-Stiftung eine grundfalsche Entscheidung. Auch Wilhelm kritisiert: „Die Industrienationen dürfen ihre eigene Dünger-Orgie nicht einfach nach Afrika exportieren- davon profitieren hauptsächlich die großen Agrarkonzerne.“ Die Kleinbauern landeten hingegen, aufgrund der im Vergleich zu Lebensmitteln exorbitant steigenden Düngerpreise, nicht selten in der Schuldenfalle.
„Damit Mineraldünger einen sinnvollen Beitrag zur Ernährungssicherung leisten kann, ist eine vollkommene Neuorientierung bei Produktion, Handel und Düngung notwendig, die speziell die Bedürfnisse kleinbäuerlicher Betriebe in den Fokus nimmt“, resümieren die Autoren der Studie. Und fordern einen sofortigen Stopp der staatlichen Stickstoffdünger-Subventionen zugunsten städtischer Kompostierungsanlagen, Schulungen der Landwirte in puncto nachhaltige Anbauverfahren sowie der Erprobung neuer, bodenschonender Verfahren in der Agrarforschung. Die Zeit dafür ist knapp- denn immerhin steht im Jahr 2050 die Ernährung von geschätzten neun Milliarden Menschen an… NISO
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