Supergau in Deutschland – wir bezahlen dafür!

Foto: ap/G. Becker

Im Falle einer Nuklearkatastrophe muss der Steuerzahler in die Tasche greifen. Die Versicherungswissenschaft belegt: Atomkraftwerke sind nicht versicherbar – adäquate Haftpflichtprämien würden Atomstrom unwirtschaftlich machen.

 

Deutsche Atomkraftwerke können bis zu 2,5 Milliarden Euro versichert werden, dann ist Schluss. Grund: Ein nuklearer Supergau ist unberechenbar. Frau Rosumek von der Münchner Re bringt es auf den Punkt: „Da können Kosten entstehen, die die Privatwirtschaft nicht mehr alleine tragen kann.“

 

Eine Studie der Leipziger Versicherungsforen aus dem Jahre 2011 besagt, man könne mit Summen von bis zu 6 Billionen Euro rechnen. Kernkraftwerke sind also nach dieser Studie extrem unterversichert. In der Versicherungsbranche ist man ähnlicher Ansicht. So bestätigte Thorsten Jeworrek, Vorstandsmitglied der Münchner Re gegenüber der „Financial Times Deutschland“, dass die Versicherungslimits deutlich höher sein könnten als bisher.

 

Atomkraftwerke - ein unsicheres Geschäft

 

Was heißt dies nun konkret? Alle Kosten über 2,5 Milliarden Euro, die im Falle einer nuklearen Katastrophe entstehen würden, werden nicht mehr von Versicherungen getragen. Der Kernkraftbetreiber haftet dann mit seinem kompletten Vermögen. So hoch dieses auch sein mag, ein Supergau würde ihn pleite gehen lassen. Die restlichen Kosten trägt also der Steuerzahler. Und diese können sich in Billionenhöhe belaufen.

 

Unsere Atomkraftwerke gelten als sicher. Sicher – ohne geeignete Versicherung?

Die Leipziger Versicherungsforen erstellten mehrere mögliche Szenarien und kamen zu dem Schluss: Müssten die Betreiber ihre Anlagen adäquat gegen nukleare Katastrophenfälle absichern, würde sich der durchschnittliche Haushaltsstrompreis verzehnfachen. Unsicher, dass die Bürger dann noch für Atomstrom stimmen würden.

 

Ein weiterer Punkt, der in die Debatte über die Energiewende mit einfließen sollte. Nach Ansicht des Bundesverbandes Erneuerbare Energie (BEE) müssen von der Gesellschaft zu tragende Belastungen, die sich nicht in den Preisen der jeweiligen Energieträger widerspiegeln, offen gelegt werden und in die Preisbildung einfließen. Nur so können Politik und Verbraucher Kosten und Nutzen der Energiewende tatsächlich beurteilen und nachhaltige Entscheidungen treffen.

 

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