Mehr Wasser durch intelligenten Agrarhandel

Der Handel mit Agrargütern muss effizienter werden. Foto: Flickr cc/Jakob Hürner

Der globale Handel mit Agrarprodukten hat das Potenzial, Wasserstress zu lindern, und den globalen Wasserverbrauch effizienter zu gestalten. Dies geht aus einer aktuellen Studie hervor. Laut der Vereinigung Deutscher Gewässerschutz liegt der tägliche Haushaltswasserbedarf in Deutschland bei 130 Liter pro Person. Unser tatsächlicher Wasserverbrauch ist jedoch um ein Vielfaches höher. So ist eine Wassermenge von 4.000 Liter pro Person und Tag erforderlich, um all die Waren unseres täglichen Lebens zu produzieren - vom Laptop bis zum Feierabendbier. Die Wassermenge, die für die Herstellung dieser Produkte verbraucht wird und im Endprodukt nicht mehr „zu sehen“ ist, wird als „Virtuelles Wasser“ bezeichnet.

Folglich ist der weltweite Handel mit Produkten gleichzeitig ein Handel mit virtuellem Wasser. Eine aktuelle Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung rückt nun den weltweiten Agrarhandel und dessen Einfluss auf Wasserstress in Ländern mit Wasserknappheit in den Fokus. „Auf die Landwirtschaft gehen 70 Prozent unseres weltweiten Wasserverbrauchs zurück, der potenzielle Einfluss auf lokale Wasserknappheit ist deshalb enorm“, sagt Anne Biewald in der Informationsdienst Wissenschaft (idw).

 

Der Ursprung des Wassers ist entscheidend

 

Die klimatischen Bedingungen in einem Land haben großen Einfluss auf die benötigte Wassermenge zur Herstellung landwirtschaftlicher Nahrungsmittel. Zum Vergleich: In Marokko wird für die Herstellung von einem Kilogramm Getreide etwa 2.700 Liter Wasser aufgewendet, in Deutschland sind es hingegen nur 520 Liter. Das Konzept des virtuellen Wassers basierte bisher nur auf diesen nationalen oder globalen Mittelwerten. Die aktuelle Studie berücksichtigt hingegen die regionale Wassersituation. „Unsere Studie zeigt, dass es nicht um die Menge des Wassers an sich geht, sondern darum, ob durch die Produktion von Lebensmitteln Wasserreserven in Wasser knappen Regionen angegriffen oder geschont werden“, zitiert der idw die Wissenschaftler um Anne Biewald. So wurden erstmals positive wie negative Folgen des internationalen Handels mit Agrargütern (Getreide, Pflanzen, Vieh, Futtermittel) für die regionale Wasserknappheit ermittelt. Die Sinnhaftigkeit dieser Herangehensweise wird bei der Betrachtung von Ländern wie Indien oder den USA deutlich. So weisen diese Länder unterschiedliche Klimazonen und eine damit verbundene unterschiedliche, regionale Wasserverfügbarkeit sowie -produktivität auf. „Lokale Wasserknappheit wird durch den Import von Agrargütern reduziert und kann deshalb regionale Produktion vor allem in Teilen von Indien, Marokko, Ägypten und Pakistan einsparen. Gleichzeitig wird Wasserknappheit in Teilen der Türkei, Spaniens, Portugals, Afghanistans und der USA durch Exporte weiter verschärft“, sagt Biewald.

 

“Globaler Wasserverbauch muss effizienter werden“

 

Allein Europa exportiert jährlich virtuelles Wasser in Agrargütern im Wert von 3,2 Milliarden US-Dollar. Laut der aktuellen Studie jedoch hat der internationale Handel im Jahr 2005 Wasser im Wert von 2,4 Milliarden US-Dollar eingespart. Dieses Ergebnis verdeutlicht das Potenzial des globalen Agrargüterhandels, regionalen Wasserstress zu lindern und den weltweiten Wasserverbrauch insgesamt effizienter zu machen. So kann die Spezialisierung bestimmter Regionen auf die Produktion und den Export bestimmter Güter äußerst ökonomisch sein. Ein Beispiel: Ein Kilo Rindfleisch kann in den USA mit einer weitaus geringeren Menge an Futtermitteln produziert werden als in Afrika. Ko-Autor Hermann Lotze-Campen ist der Meinung: “Wenn es um die Umsetzung von Politikinstrumenten mit Bezug auf den Welthandel geht - etwa die Liberalisierung des Handels, Handelshemmnisse oder Agrarsubventionen - müssen Entscheidungsträger auch die indirekten Effekte auf die Wasserverfügbarkeit mit berücksichtigen“. Mit Blick auf den Weltwassertag am 22.03 könnten diese Erkenntnisse die Diskussion um regionale Wasserknappheiten in ganz neue Bahnen lenken.AVA

 

 

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