Studie: Kassensturz in der afrikanischen Savanne

Foto: UNCCD

Der wirtschaftliche Beitrag, den Natur und Umwelt für die Wohlfahrt der Gesellschaft leisten, lässt sich berechnen. Wissenschaftler des Biodiversität und Klima Forschungszentrum (BiK-F) am Frankfurter Senckenberg Museum haben dies für die Savannenlandschaft in Norden Benins ermittelt. Sie wiesen nach, wie viel Einkommen durch so genannte Waldnebenprodukte (Non-Timber Forest Products) erwirtschaftet wird.

Dazu gehören Früchte, Samen, essbare Pflanzenteile, Heilpflanzen, Blätter und Fasern. Am bekanntesten sind die Samen des Sheabutter-Baums, deren Fett in Hautpflegeprodukten und in der Küche verwendet wird, und die Früchte des Affenbrotbaumes, die zu Süßigkeiten und Säften verarbeitet werden. Beide Produkte sind mittlerweile auch im europäischen Handel erhältlich.

In Nordbenin decken Waldnebenprodukte den Eigenbedarf der Landbevölkerung, werden gehandelt und sind Rücklage für Notzeiten. Die Bevölkerung weiß um diesen Wert. Alle 230 befragten Haushalte gewinnen Waldnebenprodukte aus der Savanne, 80 Prozent dieser Haushalte handeln auch damit.

Wenngleich die Ausbeute im Vergleich zum Aufwand gering scheint, sind Waldnebenprodukte eine weit genutzte Einkommensmöglichkeit, da sie – mit lokalen Einschränkungen – für jeden, auch die ärmere Bevölkerung, zugänglich sind und keine speziellen Fertigkeiten für die Ernte notwendig sind. BiK-F-Wissenschaftlerin Katja Heubach, die Leitautorin der Studie: „Der Anteil von Waldnebenprodukten am Jahreseinkommen liegt mit durchschnittlich 39 Prozent an zweiter Stelle hinter den Erträgen aus der Landwirtschaft. In Euro umgerechnet heißt das: 80 Cent der zwei Euro, die ein Bewohner Benins im Durchschnitt täglich zur Verfügung hat, werden durch Waldnebenprodukte erwirtschaftet.“

 

Foto: ap/A. Schmitter

Je nach Einkommensgruppe variiert die wirtschaftliche Bedeutung von Waldnebenprodukten jedoch stark. Je geringer das Haushaltseinkommen ist, desto höher ist der Anteil von Waldnebenprodukten am Jahreseinkommen. Die Abhängigkeit von diesen, von der Natur kostenlos zur Verfügung gestellten, Ressourcen ist bei ärmeren Haushalten höher als bei wohlhabenderen.

Letztere allerdings gewinnen mengenmäßig mehr Waldnebenprodukte als ärmere Haushalte. Reichere Haushalte profitieren daher mehr von Waldnebenprodukten und erwirtschaften durch sie höhere Erträge als ärmere Haushalte. Erklären lässt sich das dadurch, dass ärmere Haushalte ohne Landbesitz für die Beschaffung von Waldnebenprodukten weitere Wege auf sich nehmen müssen.

Obwohl der Wert einer intakten Savanne hiermit bewiesen ist, steht ihr in Nordbenin eine unsichere Zukunft bevor, denn die Bevölkerung in der Region wächst stetig. Dies bringt die Savanne in zweierlei Hinsicht in Bedrängnis. Einerseits intensiviert sich die Landwirtschaft, was den traditionell in Brache-Wechselwirtschaft bestellten Flächen immer kürzere Brachzeiten beschert und dadurch den wildwachsenden Savannenpflanzen immer weniger Raum lässt; andererseits steigt die Gefahr der übermäßigen Nutzung der Waldnebenprodukte. Um diesen Druck zu vermindern, empfehlen die Autoren, die Effizienz der Landwirtschaft zu erhöhen und stabile, alternative Einkommensquellen zu etablieren, damit subsistenzwirtschaftliche und marktorientierte Ansprüche durch sie befriedigt werden können. Der Ansatz, den Zugang zur jetzt offen begehbaren Savanne zu begrenzen, ist hingegen als kontraproduktiv zu bewerten. Wie die Studie zeigt, würde damit besonders die ärmere Bevölkerung benachteiligt.

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