
Seit der Wirtschaftskrise sink die Geburtenrate in vielen europäischen Ländern. Steigende Arbeitslosenquoten verhindern das Familienglück vor allem bei jungen Pärchen. In Spanien, wo über ein Viertel der erwerbsfähigen Bevölkerung arbeitslos ist, steht es um den Nachwuchs am schlechtesten.
Spanien und Griechenland kommen gemeinsam auf die höchste Arbeitslosenquote der Welt. Das ergab eine Länderanalyse der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO). Eine Studie des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung in Rostock untersuchte nun die Auswirkungen der Arbeitslosigkeit auf die Geburtenrate. Ergebnis: Die Wirtschaftskrise hat im letzten Jahrzehnt messbar die Geburtenraten in Europa gedrückt.
Vor der Wirtschaftskrise konnten Demografen einen Aufwärtstrend vermerken: Die europäischen Frauen bekamen im Durchschnitt wieder mehr Kinder. Doch dann kam 2008 der große Finanz-Crash. Ein Jahr später bereits waren die Folgen auch beim Familienglück zu spüren: weniger Neugeborene. Michaela Kreyenfeld, Demografin am Max-Planck-Institut stellt fest: „In einigen Ländern hat die Krise die Aufwärtsbewegung lediglich angehalten, in anderen nahm die Geburtenrate ab.“
Vor allem junge Pärchen müssen auf Familienglück verzichten

Insbesondere junge Europäer unter 25 Jahren sahen von Kindern angesichts steigender Arbeitslosenquoten vermehrt ab. Ihre Geburtenraten fielen vor allem für das erste Kind zurück, sie gründeten also zunächst seltener eine Familie. Weitere Faktoren, wie etwa die Familienpolitik oder die Sicherheit der Arbeitsplätze haben Einfluss auf die Kinderplanung. So senkt Arbeitslosigkeit die Geburtenraten am stärksten in Südeuropa. „Darin spiegelt sich wider, dass die Jobsituation zu Beginn des Arbeitslebens in den südlichen Ländern besonders unsicher ist“, sagt Kreyenfeld.
Einen spürbaren Einbruch der Geburtenraten gab es beispielsweise in Spanien, Ungarn, Irland, Kroatien oder Lettland. Eine besonders deutliche Zäsur erlebte Spanien, wo die Kinderzahl pro Frau ausgehend von 1,24 zu Beginn des Jahrtausends jedes Jahr gewachsen war, bis sie 2008 einen Wert von 1,47 erreicht hatte. 2009 sackte sie auf 1,40 ab, nachdem im Jahr zuvor die Arbeitslosenquote sprunghaft von 8,3 Prozent auf 11,3 Prozent angestiegen war. Immer weniger Babys erblicken in Spanien das Licht der Welt. 2011 lag die Kinderzahl pro Frau nur noch bei 1,36. Da die Arbeitslosigkeit, insbesondere die Jugendarbeitslosigkeit in den südeuropäischen Ländern weiterhin steigt, wird wohl auch das Familienglück weiter ausbleiben.
In Deutschland, Österreich und der Schweiz ergab die Analyse keine signifikanten Einflüsse. Dort stieg die Arbeitslosenquote in den letzten Jahren allerdings auch nicht oder nur wenig an. In Deutschland sank sie sogar. CFE
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