In artenreichen Lebensräumen werden Schädlinge nicht so schnell immun gegen chemische Bekämpfungsmittel. Wissenschaftler des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) Leipzig haben herausgefunden, dass bunte und artenreiche Agrarlandschaften nicht nur nützlich sind, weil es dort vor blütenbestäubenden und nützlichen Insekten nur so summt, brummt, krabbelt und wimmelt.
Nach neuen Erkenntnissen der Forscher schützen besonders vielfältige Biotope zudem vor der rasant auftretenden Widerstandsfähigkeit schädlicher Insekten gegen Insektizide.
Mehr Arten bedeuten weniger Pestizide
Kulturschädlinge wie der Kartoffelkäfer sind extrem anpassungsfähig. Sie vermehren sich rasant und besiedeln schnell neue Lebensräume. Die rasante Vermehrung führt schnell zu Konkurrenz innerhalb der eigenen Art. Dieser Konkurrenzkampf könnte die Entwicklung von Resistenzen fördern. Denn Pestizide töten nicht nur einen Teil der Insekten, sie schwächen auch die Überlebenden.
„Das gilt allerdings nicht für resistente Tiere“, erklärt Biologe Jeremias Becker. „Die sind daher nun gegenüber ihren geschwächten Artgenossen im Vorteil und können ihnen wertvolle Ressourcen wegnehmen." Bei starker Rivalität können resistente Schädlinge daher ihre empfindlichen Artgenossen schneller verdrängen.
Die Schädlingsbekämpfungsmittel gelangen auch an den Feldrand, angrenzenden Wälder oder Gewässer. Hier leben viele verschiedene Insektenarten. Diese Arten leiden oft stark unter den verwendeten Pestiziden, da sie bei weitem nicht so schnell resistent gegen Insektizide werden.
Diese Insekten müssen sich ganz nämlich ganz anderen Herausforderungen stellen. Bei einer großen Artengemeinschaft , die zusammen ein Biotop bewohnt, ist der Konkurrenzkampf innerhalb der eigenen Art nahezu unbedeutend. Die Vermehrung wird hier durch andere, konkurrierende Arten und Fraßfeinde begrenzt.
Resistente Tiere können den Vorteil gegenüber ihren empfindlichen Artgenossen daher nicht so gut ausspielen. Weiterhin führt die Widerstandsfähigkeit zu Nachteilen. Da der Organismus viel Energie für die Resistenzbildung aufwenden muss, verlangsamt sich u. a. das Wachsturm. Was wiederum zu weiteren Nachteilen in einer Gemeinschaft verschiedener Arten führt. Ein Grund, warum die Resistenzbildung bei hohem Artenaufkommen viel langsamer verläuft.
„Dadurch könnte die Schere immer weiter aufgehen“, erklärt System-Ökotoxikologe Prof. Matthias Liess vom UFZ. „Die Schädlinge auf dem Acker werden immer unempfindlicher gegen Pestizide, ihre Nachbarn in den Feldrainen oder Gewässern aber nicht."
Forschungen an der Mückenart Culex quinquefasciatus zeigen nun, dass zusätzliche Herausforderungen die Mikro-Evolution, welche zu den Resistenzen führt, bremst. Das die Effekte ein grundlegendes Prinzip darstellen und somit auf alle Arten und Lebensräume übertragbar sind, davon gehen die Wissenschaftler aus. Die Erhöhung der Biodiversität könnte somit eine Resistenzbildung verringern. „Möglicherweise lassen sich daraus neue Ansätze für die Schädlingsbekämpfung ableiten“, sagt Matthias Liess. Er hat keine Zweifel daran, dass Artenvielfalt nicht nur große ökologische Vorteile hat. Sie erleichtert auch die Schädlingsbekämpfung. Ob und wie die Forschungsergebnisse praxistauglich sind, sollen zukünftige Untersuchungen zeigen. CDC
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