Auch nachwachsende Rohstoffe haben ihre Grenzen

Foto: Lars Plougmann/Wikimedia (CC-BY 2.0)

Galten nachwachsende Rohstoffe bisher als unbegrenzt nutzbar, so müssen wir uns wohl oder übel damit abfinden, dass diese Ansicht ein Trugschluss ist. Forscher des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ), der Yale University und der Michigan State University haben die Produktions- und Förderraten von 27 global erneuerbaren und nicht erneuerbaren Ressourcen untersucht. Ihr Fazit: 18 dieser nachwachsenden Ressourcen haben ihren Peak bereits überschritten. Die Ergebnisse sind jetzt im Fachmagazin Ecology & Society veröffentlicht worden.

 

Der Landschaftsökologe Prof. Dr. Ralf Seppelt hat gemeinsam mit seinen Kollegen die Produktions- und Förderraten unter anderem von 20 erneuerbaren Ressourcen wie Mais, Reis, Weizen oder Soja sowie Fisch, Fleisch, Milch oder Eier analysiert. Dabei stellten sie fest, dass die Spitzenwerte („Peak rate year“) bei Ernte, Produktion oder Fang teilweise schon vor einigen Jahren überschritten wurden.

 

Grafik: Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ)

Bei 16 von 20 Ressourcen lag der Peakwert zwischen den Jahren 1988 und 2008 – in der Geschichte der Menschheit ein sehr enges Zeitfenster. „Die wichtigsten Güter, die der Mensch für die Ernährung braucht und ernten muss, sind limitiert“, bilanziert Ralf Seppelt, Leiters des UFZ-Departments Landschaftsökologie.

 

Bei der Sojabohne liegt weltweit die maximale Zunahmerate der Erntemengen im Jahr 2009, bei Milch 2004, bei Eiern 1993 und beim Fisch im Jahr 1988. US-Forschern zufolge stagniert oder sinkt bei Mais, Weizen, Soja und Reis der Erntebetrag pro Fläche auf mehr als einem Viertel der Anbaufelder rund um den Globus. Laut Seppelt ist die weltweite Zunahme der Bevölkerung ein wichtiger Faktor hierfür. Weil in einigen Regionen der Erde die Bevölkerungszahlen in den vergangenen Jahrzehnten stark zunahmen, erhöhten sich die Nachfrage nach nachwachsenden Ressourcen und damit der Druck, möglichst viele Nahrungsmittel zu produzieren.

 

„Das zeigt, dass die zur Verfügung stehenden landwirtschaftlichen Flächen für den Anbau von Nahrungsmitteln immer intensiver genutzt wurden“, folgert Stefan Klotz, der das Department Biozönoseforschung leitet. Große Steigerungsmöglichkeiten zur Intensivierung des Anbaus sehen die Forscher nicht mehr. „Der Mensch muss akzeptieren, dass auch nachwachsende Rohstoffe global an ihre Ertragsgrenzen kommen und Substitutionsmöglichkeiten schwinden“, sagt Seppelt. Aus Sicht des UFZ-Forschers steht die Menschheit vor gewaltigen Herausforderungen. Der Mensch muss lernen mit Dünger und Wasser effizienter umzugehen, weniger wegzuschmeißen und sich anders zu ernähren, denn die knapper werdenden Ressourcen können nicht durch andere einfach ersetzen werden.


hjo

 

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