Böser Bote des Klimawandels?

Sandmücke (Phlebotomus pappatasi) Foto: Wikimedia CC/F. Collins

Der Klimawandel macht's möglich: In Hessen entdeckten Wissenschaftler eine Sandmückenart, die sich eigentlich in tropischen Gefilden und den warmen Temperaturen des Mittelmeerraums zu Hause fühlt. Die Menschen in Bangladesch, dem Sudan oder Brasilien fürchten diese Insektenart als Überträger der Leishmaniose Krankheit. Die aktuelle Forschung geht nun der Frage nach, ob die Erreger auch im nördlichen Europa Fuß fassen könnten.

Der Klimawandel hinterlässt mittlerweile auch auf den Landkarten unserer Breiten Spuren. Eine Folge, neben warmen Wintern und Hochwasser im Sommer, ist die Verschiebung von Artgrenzen und die Gefahr der Ausweitung tropischer Krankheiten. Ein aktuelles Beispiel liefern das Seckenberg Forschungsinstitut und die Goethe-Universität Frankfurt: Wissenschaftler entdeckten nördlich von Gießen die Sandmückenart Phlebotomus mascittii, die eigentlich in wärmeren bis tropischen Gebieten heimisch ist. Die winzigen Insekten sind in Ostafrika oder auch Indien, aufgrund ihrer Vektorfunktion für Leishmania-Protozoen bekannt. Laut World Health Organization (WHO) existieren davon über zwanzig Arten.

 

WHO: 400.000 Leishmaniose-Infektionen im Jahr

 

Durch den Biss einer infizierten weiblichen Mücke dringen die Einzeller in den Körper von Wirbeltieren, also auch Menschen, ein. Die in Deutschland gefundenen Mücken sind somit ebenfalls potenzielle Krankheitsüberträger. Die Krankheit greift im Körper je nach Form Schleimhäute (mukokutan), die Haut (kutan) oder innere Organe (viszeral) an. Patienten leiden unter Anämie, Gewichtsverlust, Fieberanfällen sowie Milz- und Leber-Vergrößerungen. Unbehandelt verläuft die Krankheit tödlich.

Die WHO schätzt die neuen Fälle weltweit auf immerhin etwa 200.000 bis 400.000 jährlich. Auch im mediterranen Raum, wo häufig Hunde die Überträger der Parasiten sind, ist die viszerale Leishmaniose die vorherrschende Krankheitsform.

Noch wurden keine Erreger in den hessischen Sandfliegen nachgewiesen. Der Transport von Hunden zwischen Mitteleuropa und Ländern, in denen sich die Sandmücken wohl fühlen, ebnet jedoch den Weg für die gefährlichen Einzeller in nördlichere Regionen. Sie können dann für eine Übertragung auf den Menschen sorgen.Problem für die Wissenschaftler: Die Sandmückenbestände lassen sich schlecht erfassen und ihren bisherigen Vormarsch Richtung Norden könnten die Forscher wohl unterschätzt haben.LMR

 

 

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