
Was Werbestrategen längst wissen, entdecken jetzt Psychologen, damit Kinder gesund essen. „Wenn die Verpackung verlockend gestaltet ist, greifen Grundschulkinder auch zu gesunden Lebensmitteln“, konstatiert ihre Studie ds Forschungsinstituts für Kinderernährung Dortmund und der Universität Bonn.
„Die Süßigkeitenindustrie hat sehr viel Erfahrung damit, wie sich mit Marketingeffekten der Produktabsatz bei Kindern steigern lässt“, sagt Bernd Weber vom Center for Economics and Neuroscience (CENs) der Universität Bonn. Im Vergleich dazu gäbe es nur wenige Erkenntnisse darüber, wie sich solche Marketingeffekte für gesunde Lebensmittel nutzen ließen. Diese Lücke galt es für ihn und das Team von Wissenschaftlern um Mathilde Kersting vom Forschungsinstitut für Kinderernährung Dortmund zu schließen.
Trickfiguren verführen Schüler zum Kauf von Snacks
Die Wissenschaftler ermittelten die Motivation der Grundschüler, an einen bestimmten Snack aus dem Dreiersortiment heranzukommen: Sie ermittelten dies mit einem speziellen Messgerät, welches die Handgriffstärke misst. Es zeigt an, mit welcher Kraft die Kinder mit einer Hand zudrückten, wenn sie ihre Wunschpackung mit einem Müsli haben wollten. „Wir konnten mit diesem Handdynamometer ablesen, wie viel Anstrengung die Kinder bereit waren, für das Produkt zu leisten“, erläutert Laura Enax aus Webers Team.
Anschließend durften die Kinder auch von den Snacks in den unterschiedlichen Verpackungen kosten.
Gesundheitshinweise: bei Kindern weniger beliebt

Das Resultat der Versuche verwundert kaum: Verpackung mit den attraktiven Zeichentrickfiguren lockten die Kinder am stärksten an. „Auch beim Geschmackstest schnitt das Müsli mit den spaßigen Zeichentrickfiguren am besten ab“, fanden die Forscher heraus. Sowohl die Standardverpackung als auch die an die Gesundheit appellierende Verpackung fiel in der Gunst der Kinder deutlich ab.
Sowohl die Ergebnisse der Befragung als auch die Messung der Druckkraft bestätigten die spätere Produktwahl. Dies weise darauf hin, so die Wissenschaftler aus Bonn und Dortmund, „dass nur die Befragung der Kinder alleine nicht ausreicht, um zu erfassen, was die Kinder lieber mögen“.
„Attraktiv gestaltete Lebensmittelverpackungen können Kinder zu ungesunden Lebensmitteln verführen“, fasst Mathilde Kersting das Ergebnis der Studie zusammen. „Solche Marketingeffekte lassen sich jedoch auch dazu nutzen, den Nachwuchs für gesunde Lebensmittel zu gewinnen.“
Spieß umdrehen: Schulmilch attraktiver verpacken
Die in der Studie herausgearbeitete Methode könne etwa eingesetzt werden, um zu untersuchen, wie die Attraktivität von Schulmilch oder Vollkornsandwiches gesteigert werden kann.
Die Wissenschaftler wollen in weiteren Studien untersuchen, ob insbesondere stark übergewichtige Kinder besonders für Marketingplaceboeffekte auf Verpackungen empfänglich sind.
pit
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