
Es geht also doch: Klein und leicht sollen Elektromobile sein, damit sie mit Strom weit fahren können. Das aber ging bisher meist zu Lasten der Fahrgastsicherheit. Die Norm für Autos der Zulassungsklasse L7E (max. 400 kg Leergewicht) erscheint Sicherheitsexperten nicht ausreichend. Jetzt zeigen Forscher der Technischen Universität München (TUM) - gemeinsam mit Experten aus der Industrie die Lösung – ihr „Visio.M“ überwacht das Verkehrsgeschehen und löst schon vor einem Crash die eingebauten Insassen-Schutzsysteme.
Die Aufgabe für Konstrukteure der Kleinstfahrzeuge: „Vor allem beim Zusammenstoß mit schwereren Fahrzeugen muss das Kleinstfahrzeug trotz geringerer Außenabmessungen seinen Insassen einen sicheren Überlebensraum bieten“, beschreiben sie die Wissenschaftler. Der „Visio.M“ nutzt dafür eine steife Fahrgastzelle aus mit Carbonfasern verstärktem Kunststoff. Für die Deformationszonen im Vorder- und Hinterwagen sowie für die Dachstruktur nutzen seine Erbauer hochfeste Aluminium-Profile.
Innovation löst Zielkonflikt zwischen Leichtbau und Sicherheit
Dennoch: „Die hohe Steifigkeit der Fahrgastzelle und die zwangsläufig kleineren Deformationswege der Karosserie führen bei einem Unfall dazu, dass hohe Kräfte auf die Insassen einwirken“, wissen die Konstrukteure des Kleinwagens. Dem begegnet der „Visio.M“ mit einem integralen Sicherheitskonzept, „das sich auf eine ausgefeilte Erfassung des Verkehrsgeschehens mit Radar- und Kamerasensoren stützt“, beschreiben es die Wissenschaftler.
Das erhöht die Sicherheit: „Dank der 360 Grad-Erfassung der unmittelbaren Fahrzeugumgebung erkennt der Visio.M frühzeitig kritische Fahrsituationen. Diese Informationen werden nicht nur für Fahrerassistenz und Warnung genutzt. Erkennt das Fahrzeug eine nicht mehr vermeidbare Kollision, aktiviert es schon vor dem eigentlichen Crash die eingebauten Insassenschutzsysteme.“
Technik erkennt Unfallgefahr vor dem Crash und sichert Fahrer

Ein wesentlicher Baustein dieser Strategie sind zusätzliche Struktur-Airbags: Im Stoßfänger und in der seitlichen Fahrzeug-Verkleidung sind Kunstfaser-Druckschläuche montiert. Sekundenbruchteile vor dem Aufprall füllt ein Gasgenerator den Druckschlauch. Dieser schiebt die Fahrzeugverkleidung nach außen und positioniert sich als zusätzliches Absorptionselement zwischen Außenhaut und Fahrzeugstruktur.
Die auf die Insassen wirkenden Kräfte kontrollieren adaptive Gurtstraffer- und Kraftbegrenzer-Systeme. Ein zusätzlicher Zwei-Punkt-Gurt auf der Fahrzeug-Innenseite verbindet die Insassen optimal mit dem Sitz. Erkennt das System einen unvermeidlichen Seitenaufprall, wird der Insasse auf der Unfallseite unmittelbar vor dem Anprall mit dem Sitz nach innen verschoben. Dies bringt ihn aus der unmittelbaren Gefahrenzone. „Die Vorbeschleunigung mindert den auf ihn wirkenden Crash-Puls und erhöht die Wirksamkeit des Seitenairbags“, betonen die TUM-Experten. Einen Zusammenprall zwischen Fahrer und Beifahrer fängt ein zwischen den Sitzen eingebauter Airbag ab.
E-Mobile erreichen Standards großer Fahrzeuge
Ihre Systeme checkten die Projektbeteiligten zunächst in Computer-Simulationen. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass es mit den innovativen Lösungen des Visio.M durchaus möglich ist, den Zielkonflikt zwischen extremem Leichtbau und einem angemessenen Sicherheitsniveau aufzulösen“, sagt Thomas Unselt von der Daimler AG: „Unser Konzept berücksichtigt wesentliche Elemente des NCAP-Protokolls für Fahrzeuge der Zulassungsklasse M1 mit bis 3,5 Tonnen Gewicht und liegt damit deutlich über den gesetzlichen Anforderungen an L7e Fahrzeuge.“
red
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