
Auch Tiere leiden unter Lärm. Manche von ihnen, Wale und Delphine zum Beispiel, besonders. Ausgerechnet in wichtigen Lebensräumen gefährdeter Meerestiere des Mittelmeeres ist sehr laut. Zu diesem Schluss gelangen Wissenschaftler aus Frankreich, Italien, der Schweiz und den USA, die mit dem Bericht „Übersicht der Lärm-Hotspots im Mittelmeer“ erstmals eine flächendeckende Erhebung zur Dichte lärmintensiver Aktivitäten und eine Kartierung der Lärmquellen vorlegen. Der Bericht umfasst den Zeitraum 2005 bis 2015 und verarbeitet Daten von Häfen, Ölplattformen, seismischen Explorationsgebieten, Schiffspositionen, Windfarmen sowie offiziell zugänglichen Angaben zu militärischen Aktivitäten.
„Der Bericht ist eine erste Grundlage für eine zielgerichtete Entwicklung lärmreduzierender Massnahmen. Er belegt den dringenden Handlungsbedarf, ein transparentes Datenregister anthropogener Lärmquellen im Mittelmeer einzurichten“, sagt Dr. Silvia Frey, Co-Autorin des Berichts und Leiterin Wissenschaft und Bildung bei OceanCare.
Signifikant ist die Zunahme seismischer Aktivitäten, insbesondere zur Suche nach Öl- und Gasvorkommen. Dabei werden sogenannte Schallkanonen eingesetzt, die Explosionen in einer Intensität von bis zu 260 Dezibel zum Meeresboden hin aussenden. Zum Vergleich: Ein ein Raketenstart verursacht 205 Dezibel. Der Einsatz von Schallkanonen ist zwischen 2005 und 2013 um über 20% auf 27 % der Oberfläche des Mittelmeeres gestiegen. Auch zeigt die Datenauswertung, dass durchschnittlich zu jedem Zeitpunkt mindestens 1500 Schiffe unterwegs sind, ohne die zahlreichen Freizeitschiffe und Fischerboote vollumfänglich mit einzurechnen.

Mit der Kartierung kann jetzt aufgezeigt werden, wo sich Lärm-Hotspots mit Gebieten für akustisch sensible Meeressäugerarten überlappen. Zu solchen akut von Lärm betroffenen Kernzonen zählen das Meeressäugerschutzgebiet Pelagos im Ligurischen Meer oder die Gewässer zwischen den Balearen und dem spanischen Festland. Das Gefährdungsrisiko für die Tiere ist hier hoch, da sie zahlreichen Lärm- und damit Stressquellen ausgesetzt sind.
Dr. Manuel Castellote, Co-Autor und Forscher bei der US-amerikanischen Atmosphären- und Ozeanbehörde (NOAA) sagt: „Mit diesem Bericht haben wir kaum die Spitze des Eisbergs erfasst, wenn es um das Auftreten von Unterwasserlärm im Mittelmeer geht. Ein wichtiger Faktor ist die große Zahl ‚stiller‘ Mittelmeerländer – still beim Informationsaustausch, nicht beim Unterwasserlärm!“
Wie groß die Bedrohung ist, hat zum Beispiel die Regierung Spaniens erkannt. Das spanische Umweltministerium hat kürzlich angekündigt, dass die Gewässer zwischen den Balearen und dem spanischen Festland als Migrationskorridor für Wale und Delphine unter Schutz gestellt werden sollen, was auch ein striktes Management lärmverursachender Aktivitäten zur Folge hätte.
Ausführliche Infos zur Studie gibt es bei Ocean Care...
hjo
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