
Seit fast vierzig Jahren ist bekannt, dass Arzneiwirkstoffe in Gewässern eine enorme Bedrohung für die Umwelt darstellen. Erstmals wurden 1976 in den USA Rückstände von Medikamenten beziehungsweiße deren Abbauprodukte in Flüssen und Seen nachgewiesen.
Eine Studie, die 2011 im Auftrag des Umweltbundesamts durchgeführt wurde, konnte mehr als 150 verschiedene Arzneistoffe in der Umwelt identifizieren. 24 davon sind als gefährlich für Umweltorganismen eingestuft. Die Arzneimittelwirkstoffe gelangen über das Abwasser in unsere Flüsse und Seen. Die Stoffe haben auf die dort lebenden Tiere teils verheerende Auswirkungen: Zum Beispiel führen Wirkstoffe aus Schmerzmitteln zu Zellveränderungen in Leber, Nieren und Kiemen der Regenbogenforelle. Hormonell wirksame Substanzen, wie die der Antibabypille, können bei Fischen und anderen Wassertieren zu Missbildungen an den Fortpflanzungsorganen und sinkender Fruchtbarkeit führen. Bis jetzt gibt es nur Untersuchungen zu den Auswirkungen einzelner Wirkstoffe. Es ist aber sehr wahrscheinlich, dass das Zusammenwirken von mehreren Stoffen noch umweltschädlichere Folgen hat.

Auch für uns Menschen stellen Medikamentenrückstände in der Umwelt eine große Gefahr dar: Zum einen reichern sich die Stoffe über die Nahrungskette an, sodass wir am Ende eine hohe Konzentration in unseren Lebensmitteln vorfinden. Zum anderen wird befürchtet, dass Bakterien durch die Dauerbelastung mit der Zeit Antibiotikaresistenzen entwickeln könnten. Die durch solche multiresistenten Bakterienstämme verursachten Krankheiten können nicht mehr mit Antibiotika bekämpft werden.
Deutsche Umwelthilfe fordert Sammelsystem für Altmedikamente
Um dafür zu sorgen, dass Arzneimittelwirkstoffe gar nicht erst in den Wasserkreislauf gelangen, fordert die Deutsche Umwelthilfe (DUH) die Einführung eines bundesweit einheitlichen Medikamenten-Sammelsystems in Apotheken. Bis jetzt gibt es noch kein Gesetz, dass verbietet, Altmedikamente einfach über den Hausmüll zu entsorgen. Durch Auswaschungen in der Abfallvorbehandlung können deren Wirkstoffe aber ins Abwasser gelangen. Viele Bürger entsorgen Arzneireste auch über die Toilette oder das Waschbecken, da sie sich der umweltschädlichen Folgen nicht bewusst sind. Kläranlagen sind jedoch nicht imstande, die Arzneiwirkstoffe aus dem Abwasser zu entfernen. Wird dieses nach der Klärung wieder Fließgewässern zugeführt, verteilen sich die Stoffe in der Umwelt. Schließlich können die Rückstände ins Grundwasser gelangen und landen damit letztendlich irgendwann auch in unserem Trinkwasser. Um den Verbrauchern diese Problematik bewusst zu machen, fordert die DUH mehr Aufklärungsarbeit in den Apotheken. Die DUH fordert, dass die Arzneimittelhersteller die Kosten für das Sammel- und Entsorgungssystem tragen sollen. Dieses Rücknahmeprinzip ist schon seit längerer Zeit bei Elektrogeräten und Batterien üblich. Nähere Informationen hat die DUH in ihrem Hintergrundpapier zum umweltschonenden Umgang mit abgelaufenen Medikamenten veröffentlicht.


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