Fremdgehen bei Blaumeisen kein Evolution-Motor

Foto: Wikimedia commons/Maximilian Dorsch

Nicht nur bei Menschen, auch bei Tieren spielt das Aussehen für die Partnerwahl eine nicht unerhebliche Rolle. Hirschmännchen beeindrucken die Damen ihrer Wahl mit einem prächtigen Geweih, Pfauen mit farbenfrohem Gefieder, Buchfinken mit ihrer leuchtend roten Brust. Diese Geschlechtsunterschiede werden wissenschaftlich als Sexualdimorphismus bezeichnet.

 

Doch wozu das alles? Es geht darum, andere Konkurrenten um die Partnerin auszuschalten, darum, die eigene Fortpflanzung sicher zu stellen. Wer sich durchsetzt, bekommt mehr Nachkommen- das gilt für die Männchen, nicht jedoch für die Weibchen, die aus diesem Grund meist unauffälliger gefärbt sind.

 

Wie ist es jedoch bei den vielen monogamen Vogelarten, wie zum Beispiel den Blaumeisen? Wie kommt es, dass hier allein das Männchen (für das menschliche Auge nicht sichtbar) viel bunter gefärbt ist als seine Herzdame, obgleich der Nachwuchs doch stets, konkurrenzlos, mit der gleichen Partnerin gezeugt wird?

 

Foto: Emmi Schlicht

Soziale Bindung wichtiger als Fremdgehen

 

Emmi Schlicht und Bart Kempenaers vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Seewiesen gingen dieser Frage nach. Blaumeisen-Männchen gehen, genau wie Menschen, hin und wieder fremd und verschaffen sich auf diese Weise zusätzliche Nachkommen. Die beiden Wissenschaftler untersuchten verschiedene Vogelpopulationen und entdeckten in vielen Nestern „Kuckuckseier“ fremder Väter.

 

Ist das der Schlüssel zum Sexualdimorphismus der Blaumeisen? Frohe Kunde für Romantiker: Das buntere Gefieder der Männchen scheint in erster Linie der sozialen Bindung an die feste Partnerin zu dienen; immerhin sichert diese neun „sichere“ eigene Eier pro Gelege. „Da können ein, zwei Nachkommen mit anderen, fremd verpaarten Weibchen nicht mithalten“, so Kempenaers.

 

Und dennoch scheint das ganze einen Sinn zu haben. Die Forscher gelangten zu der erstaunlichen Erkenntnis: Manches Männchen hat keine eigene Brut und ist daher zur Weitergabe der eigenen Gene aufs Fremdgehen angewiesen. „In diesem Fall trägt die außereheliche Paarung dazu bei, die Unterschiede der Männchen in ihrem Fortpflanzungserfolg zu verringern“, erläutert Emmi Schlicht. „Das erschwert der Evolution die Auswahl der ‚Besten‘ und damit die Selektion besonderer Merkmale bei Männchen, die deren Fortpflanzungserfolg erhöhen.“, so die Erstautorin der Studie weiter. Fremdgehen bremst den Sexualdimorphismus also eher noch aus statt ihn zu steigern. NISO

 

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